Demokratie und Meinungsvielfalt: Clara debattiert

Wettbewerb: Jugend debattiert

Clara Gorjup ist 15 Jahre alt und hat beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ mitgemacht. Wie viele Runden sie geschafft hat, was sie motiviert und wie sie sich in der Diskussion gefühlt hat, erzählt sie in einem Erfahrungsbericht.

Demokratie und Meinungsvielfalt: Clara debattiert

 „Da möchte ich auch mal mitmachen!“ – das war mein erster Gedanke, als ich als Sechstklässlerin von dem Wettbewerb „Jugend debattiert“ erfahren habe. Ich war schon als kleines Mädchen immer diejenige, die sich gerne selbst reden gehört hat und kleine Diskussionen mit der Familie über unterschiedliche Themen waren schon immer Alltag bei mir. In der 8. Klasse durfte ich endlich am Wettbewerb teilnehmen und konnte mich beim Schulentscheid über den 2. Platz freuen. Als jüngste Gewinnerin vertrat ich meine Schule beim Regionalentscheid und wurde dort Nachrückerin. Nächstes Jahr wieder mitmachen und noch weiter kommen, das war mein Ziel. Meine Deutschlehrerin gab mir Zuspruch und so probierte ich es auch in 2019 wieder.

Überzeugen ohne Überzeugung

In meiner Klasse haben viele sofort gesagt: „Clara, du machst da doch hoffentlich wieder mit!“ Mich hatte der Ehrgeiz gepackt und mit einer Debatte zum altbekannten Thema: „Schulkleidung, ja oder nein?” begann eine aufregende Reise. Ich überzeugte meine Klasse, meine Schule, andere Schulen und letztlich stand ich als eine der vier besten Diskutant*innen NRWs im Landesfinale in Düsseldorf. Der Weg dorthin bedeutete Arbeit, Anstrengung und Argumentieren. Das war gar nicht immer so leicht: Meine eigene Meinung durfte ich nicht immer vertreten. Nicht emotional an die Sache herangehen. Diplomatisch sein und womöglich sogar eine Rolle spielen. Objektiv auf ein Thema schauen, sich sowohl das Positive als auch das Negative heraussuchen. Das sind ein wichtige Elemente von „Jugend debattiert”. Zu überzeugen ohne wirkliche Überzeugung. Ich schaffte es und erweiterte zudem mein Allgemeinwissen enorm. Ich lernte, warum Feuerwerk an Silvester doch nicht so toll ist oder warum ein Elektrobus vielleicht unsere Zukunft sein könnte. Brandaktuell und für jeden zugänglich, so würde ich Themen einer „Jugend debattiert“-Debatte beschreiben.

Landesfinale im Düsseldorfer Landtag

Das Landesfinale war dann der nächste Schritt. Die Nacht davor habe ich schlecht geschlafen, kurz vor der Debatte konnte ich nichts essen. Das lag vor allen Dingen daran, dass alles in so einem politischen Rahmen stattgefunden hat. Das Flair war einfach besonders und es herrschte so eine professionelle Stimmung. Es war eine unfassbar aufregende, bedeutende Erfahrung und auch wenn ich als Drittplatzierte die Bundesqualifikation knapp verpasst habe, konnte ich auf der ganzen Reise so vieles lernen, so vieles anwenden und letztlich so vieles bewahren.
Ich musste meine Meinung ausdrucksstark, überzeugend, mit hoher Sachkenntnis repräsentieren und dabei noch auf die Gegenseite eingehen. Mein Thema: „Sollen in der Euro-päischen Union alle Schüler*innen weiterführender Schulen für mindestens ein halbes Jahr in einem anderen EU-Land zur Schule gehen?“ Das zu debattieren vor vielen und vor allen Dingen politikinteressierten Leuten war keine leichte Aufgabe. Generell ist es nicht immer einfach, seine Meinung zu sagen. Im täglichen Leben begegnet uns die Situation häufig. Als Schülerin erfahre ich auch in der Schule immer wieder, dass Meinungen ausgetauscht werden. Unterschiedliche Meinungen. Hierbei finde ich es ausgesprochen wichtig, jeder*m ihre*seine Meinung zu lassen und sie zu respektieren. Es wäre doch langweilig, wenn sich alle einer Meinung anpassen müssten.

Meinungsvielfalt in einer Demokratie

Als Bürger*innen in einem demokratischen Staat sollten wir alle darauf achten, nicht so schnell zu urteilen. Meinungen anzuhören, Meinungen auszutauschen, Meinungen zu bilden und am Ende jede Meinung zu respektieren. Nur so schaffen wir ein faires Handeln. Nur so schaffen wir es, etwas zu verändern. Und nur so schaffen wir es, dass sich jeder Mensch angenommen fühlt. Man darf sich auch über Meinungen ärgern, aber letztendlich sollte man darauf achten, mit Meinungen tolerant umzugehen. Bei „Jugend debattiert“ habe ich gelernt, dass man die unterschiedlichsten Meinungen zu einem Thema vertreten kann.


Clara Gorjup
Teilnehmerin des Wettbewerbs „Jugend debattiert“

Foto: Michael Reil

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