Lehren über den Holocaust

Über die Aktualität von Gedenkstättenfahrten

Wie können die Lehren aus der Shoah auf aktuelle globale Krisen übertragen und hieraus pädagogische Handlungen für den Unterricht abgeleitet werden? Vom 25. bis 28. Januar 2016 trafen sich in Krakau und Auschwitz zum fünften Mal JunglehrerInnen aus Israel, Polen, Österreich, Deutschland, Großbritannien und Lettland zum internationalen Austausch.

Lehren über den Holocaust

„Der Klassenraum ist der Raum, um gegen Rassismus und für Demokratie anhand von Dilemmatasituationen zu unterrichten“, betont Avraham Rocheli aus Israel, einer der Leiter des deutsch-israelischen Gewerkschaftsseminars. „LehrerInnen tragen dazu bei, dass ihre SchülerInnen zu BürgerInnen erzogen werden.“ Demnach ist es von herausragender Bedeutung, Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext Werte zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, an politischen Prozessen zu partizipieren und für eine offene, freie und tolerante Gesellschaft einzustehen. Wenn es um Rassismus, Antisemitismus oder Intoleranz geht, dürfen diese Werte jedoch nicht beliebig oder alternativ wählbar sein. Vielmehr müssen verbindliche Einstellungen vermittelt werden, die sich auch im schulischen Miteinander wiederfinden.

Ursachen verstehen und übertragen

Die Auseinandersetzung mit der Shoah kann dabei helfen, denn sie zeigt auf, was passieren kann, wenn eigene Werte zu leeren Hüllen verkommen. Es empfiehlt sich, in Schule und Unterricht nicht allein die Konsequenz der Shoah – das Sterben von sechs Millionen Jüdinnen und Juden – zu thematisieren, sondern auch den gesellschaftspolitischen Kontext jener Zeit, der erst zu dieser größten menschlichen Katastrophe führen konnte. Denn die Shoah stand nicht am Beginn der Verfolgung, sondern an ihrem Ende.
Die Losung „Dass Auschwitz nie wieder sei!“ lässt sich nur umsetzen, wenn uns bewusst ist, dass unter anderem eine politische Kultur des MitläuferInnentums eine solche Katastrophe erst möglich gemacht hat. Tendenzen, die auch im Jahr 2016 wieder spürbar werden: Medienberichte befeuern Fremdenfeindlichkeit, PolitikerInnen fordern die Einschränkung oder sogar die Abschaffung des Asylrechts. Groteske Forderungen nach der erneuten Eröffnung von Konzentrationslagern in Sozialen Netzwerken werden als freie Meinungsäußerung verstanden. Wer die Lehren aus dem Holocaust verstanden hat, kann solchen Forderungen nicht zustimmen, sie nicht hinnehmen und muss seine Stimme lautstark dagegen erheben.

Lehren über den Holocaust
Lehren über den Holocaust

Lernen über den Holocaust ermöglichen und begleiten

PädagogenInnen sind mit dafür verantwortlich, dass SchülerInnen aus der Vergangenheit schließen, dass es sich tagtäglich lohnt für eine offene und tolerante Gesellschaft zu kämpfen. Gespräche mit ZeitzeugInnen oder deren Verwandten oder die Besichtigung von Konzentrationslagern sind hilfreich. Gedenkstättenfahrten müssen dabei gut vorbereitet werden, um Traumata zu vermeiden, allen Teilnehmenden Sicherheit zu verschaffen und zu helfen, das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten und einzuordnen. Auch eine ausreichende Nachbereitung gehört dazu, damit die Eindrücke hinreichend verarbeitet werden können.
Gerade in diesen so schwierigen politischen Zeiten gewinnt die pädagogische Auseinandersetzung mit der Shoah und ihren Ursachen an Bedeutung. Zahlreiche didaktisch gut aufbereitete Materialien unterstützen PädagogInnen dabei, das Thema nicht nur im Geschichts-, sondern auch im Kunst-, Sprach-, Religions-, Philosophie- und Musikunterricht zu vermitteln. Auch Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW, ermutigt Lehrkräfte, sich gemeinsam mit ihren SchülerInnen diesem schwierigen Stoff verstärkt zu widmen: „Insbesondere unsere Geschichte verpflichtet uns zur Humanität. Wir stellen uns der Aufgabe, jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz zu ächten und zu bekämpfen.“

Melanie Meier
Leitungsteam der jungen GEW NRW

Fotos: M. Meier

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