Kind und Karriere: „Paare müssen offener kommunizieren!“

Tradierte Rollenbilder neu verhandeln

Es ist paradox: Viele gleichberechtigte Paare greifen bei der Familienplanung auf traditionelle Rollenmodelle zurück. Doch warum ist das eigentlich so? Feministin und Mitbegründerin des Missy Magazines Stefanie Lohaus sieht einen Grund in der Planung, die meist zu unkonkret und kurzfristig ist.

Kind und Karriere: „Paare müssen offener kommunizieren!“

Wir behaupten, gleichberechtigte und emanzipierte Partner*innen zu sein. Wenn es aber um Familienplanung geht, sind wir schnell bei tradierten Rollenmodellen, in denen Frauen beruflich zurückstecken. Warum ist das so?

Das betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer: Beide sind häufig bewusst oder unbewusst im tradierten Rollenmodell verhaftet. Demnach sind Frauen für die Kindererziehung, den Haushalt, die Privatsphäre und die sozialen Kontakte zuständig, während Männer das Geld verdienen, um die Familie zu ernähren. Anderer Gründe sind die gesamtgesellschaftliche Struktur und die Arbeitswelt, die diesem traditionellen Rollenmodell schon allein aus historischen Gründen in die Karten spielen. Dazu zählen beispielsweise Themen wie die berüchtigte Teilzeitfalle und Kinderbetreuung, die noch nicht flächendeckend und qualitativ zufriedenstellend eingeführt worden ist. Diese strukturellen Umstände erschweren ein gerechtes partnerschaftliches Modell, weil die Rahmenbedingungen nicht dafür ausgelegt sind, ein solches wirklich zu unterstützen. Trotzdem gilt: Möglich ist es jetzt schon!
Paare, die ein gleichberechtigtes Modell leben wollen, stoßen dadurch auf Widerstände, die es anstrengender machen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Das führt dazu, dass manche Paare aufgeben. Und trotzdem hat sich gegenüber den 1950-er Jahren graduell etwas verschoben: Damals war das Modell von Hausfrau und Familienernährer vorherrschend, heute dominiert das der teilzeitarbeitenden Frau, die dem Mann, der die Familie versorgt, beisteht. Eine gleichberechtigte Verteilung von Sorge- und Lohnarbeit ist jedoch prozentual noch immer nicht gegeben.

Welche Gründe gibt es im Privaten?

Im privaten Bereich wird ein gleichberechtigtes Rollenmodell oft nicht ausreichend verhandelt. Paare gehen davon aus, dass sie das mit der Gleichberechtigung schon irgendwie hinkriegen, weil sie diese Werte vertreten. Letztlich sind sie doch oft unterschiedlicher Auffassung, was Gleichberechtigung bedeutet. Oder sie schielen auf die Finanzen: Wenn der Mann, der meistens besser verdient, länger in Elternzeit geht oder Teilzeit arbeitet, ist erst einmal weniger Geld im Portemonnaie. Das ist allerdings sehr kurzfristig gedacht. Paare machen sich oft nicht klar, was passiert, wenn ein Teil der Familie – in der Regel die Mutter – im Beruf nicht weiterkommt und ins Hintertreffen gerät: Sie stecken im Zuverdienermodell fest, weil es der Frau oft nicht gelingt, die beruflichen Versäumnisse wieder aufzuholen. Dabei werden die Kinder groß und brauchen von alleine weniger Betreuung. Paare müssen also früher und offener ihre Vorstellungen von Familie kommunizieren sowie konkreter und langfristiger planen.

Warum bekommen Männer, die Elternzeit nehmen, gesellschaftlich Anerkennung als moderner Mann, während es bei Frauen normal zu sein scheint? Und warum gelten Frauen nicht als modern, wenn sie schnell wieder arbeiten?

Ich sehe diese Glorifizierung des „modernen Mannes“ ehrlich gesagt nicht. Das ist eher ein mediales Phänomen, das sich nicht im Alltag von Vätern widerspiegelt. Wenn beispielsweise Sigmar Gabriel sich um sein Kind kümmert, jubeln alle, aber im Berufsleben machen Väter häufig ähnliche Diskriminierungserfahrungen wie Mütter, wenn sie Teilzeit arbeiten oder länger in Elternzeit gehen wollen. Manche erzählen auch, dass sie im Umgang mit ihren Kindern in der Öffentlichkeit gemaßregelt werden.

Wie lassen sich die Rollenklischees aufbrechen?

Alle, die etwas ändern wollen, müssen Druck machen und zwar sowohl privat als auch öffentlich. Es ist wichtig, politische Lobbyarbeit zu betreiben und den Mut zu haben, die hinderlichen Strukturen in Frage zu stellen und anzusprechen. Die, die es anders wollen, müssen selbst handeln!


Roma Hering
freie Journalistin

Foto: iStock.com / Katie_Martynova

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