JA 13: Mein Stück vom Kuchen!

Faire Besoldung für alle Lehrkräfte

Im November machen GEW-Aktive in allen Bundesländern mobil: für gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit und für ein Ende der ungerechten Bezahlung von Lehrkräften. Die GEW NRW ruft zu einer Aktion am 15. November 2018 vor dem Landtag in Düsseldorf auf: Mein Stück vom Kuchen.

JA 13: Mein Stück vom Kuchen!

Manchmal hilft ein Blick zurück, um mit Mut, Zuversicht und Energie in die Zukunft zu schauen: Im Fall all jener GEW-Kolleg*innen, die nun mit fantasievollen Aktionen in den dritten GEW-Aktionszeitraum JA 13 starten, ist das so. Vor einem Jahr, am 11. November 2017, überreichten Grundschullehrer*innen Parteitagsdelegierten der SPD Berlin „Berliner“ mit dem Text: „E 13 / A 13 – für alle Lehrkräfte“.
Damit erinnerten sie daran, dass es seit 2016 eine Vereinbarung mit dem Senat gab, „zeitnah“ alle Grundschullehrkräfte höherzugruppieren. Geschehen war das nur für jene, die nach dem neuen Lehrkräftebildungsgesetz von 2014 ausgebildet wurden. Es drohte eine Spaltung der Belegschaften; völlig zu Recht fühlten sich Kolleg*innen zurückgesetzt, die seit Jahrzehnten im Beruf sind. Kaum drei Wochen nach dem Protest – und nur Tage nachdem die GEW Brandenburg in einem 17-Stunden-Verhandlungsmarathon einen Durchbruch erzielt hatte – sicherte die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) eine „unkomplizierte Höhergruppierung“ zum 1. Januar 2019 zu.

Forderungen immer wieder erneuern

Das Beispiel macht deutlich: Politische Erfolge müssen in zähen Verhandlungen erstritten und Forderungen immer wieder erneuert werden – eine Maxime, der im Rahmen der JA-13-Kampagne alle 16 GEW-Landesverbände in einer bisher einzigartigen Aktion folgen.
Und: Protest auf der Straße zahlt sich aus! Nicht nur in Berlin und Brandenburg, wo künftig mehr als 10.000 Grundschullehrer*innen mit bis zu 6.000,- Euro im Jahr profitieren. Auch in anderen Ländern wurden wichtige Schritte gemacht: In Sachsen sollen ab 2019 alle vollständig ausgebildeten Grundschullehrer*innen nach A 13 / E 13 vergütet werden, in Schleswig-Holstein lässt sie ein Stufenplan – wenn auch erst bis 2025 – nach A 13 aufsteigen. In anderen Ländern – zuletzt in Thüringen, wo ab 2020 Regelschullehrkräfte mit jenen an Gymnasien, berufsbildenden Schulen und Förderschulen gleichziehen – wurden immerhin für Teilgruppen Erfolge erzielt. Mut macht auch: Mit jedem Land, das die überfällige Gleichstellung vollzieht, wächst in Zeiten der Abwerbung und des Fachkräftemangels der Druck auf die Nachbarländer.

NRW-Landesregierung lässt sich bitten

Die Bezahlung der Lehrkräfte in NRW hinkt den Entwicklungen im Schulbereich hinterher: Die Anforderungen steigen, die Ausbildung wird vereinheitlicht und auch für die Primarstufe und die Sekundarstufe I den Standards der Sekundarstufe II angepasst. Das Interesse der Studierenden sinkt vor allem bei Lehramtsausbildungen für Grundschulen, die vom Lehrkräftemangel besonders betroffen sind. Fast alle Bundesländer – außer NRW – haben die Lehrkräfte in der Sekundarstufe I bereits den anderen Lehrkräften angeglichen. Warum zögert die NRW-Landesregierung, zumal es rechtlich erforderlich ist, die Konsequenzen aus der Angleichung der Ausbildung 2009 in NRW für die Grundschullehrkräfte zu ziehen?
Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die SPD einen Gesetzvorschlag dazu gemacht, der – richtigerweise – die Altbeschäftigten mit einbezieht. Weder die Lehrkräfte in der Sekundarstufe I, noch die Grundschullehrkräfte, noch die Sonderpädagog*innen, die derzeit noch A 13 ohne Zulage bekommen, können angesichts des hohen Anforderungsniveaus ihrer Profession die Verzögerungstaktik der Landesregierung verstehen. Sie wollen endlich angemessen eingruppiert werden und auch ihr Stück vom Kuchen bekommen.


Frauke Gützkow
Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands der GEW, verantwortlich für Frauenpolitik und für die JA-13-Kampagne

Foto: iStock.com / Anna Pustynnikova

Kommentieren
Die mit (*) gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare (2)

  • Renate wiedemann Ich finde diese Aktion einen Hohn für alle angestellten Lehrer, die seit Jahrzehnten die gleiche Arbeit wie ihre beamteten KollegInnen für fast 25 % weniger Geld leisten. Sie werden in der Aktion mit keiner Silbe erwähnt. Ich will erstmal mein Stück vom Butterbrot, eh ich auf das Tortenstück schiele!

    Ich finde zudem den Slogan und die Visualisierung in höchstem Maße peinlich gegenüber Schülereltern, die froh sind, wenn sie in Brot und Arbeit sind!

    Meine Referendarzeit 1983 fiel in die Zeit des Lehrereinstellungsstopps, somit bekam ich erst nach 18 Jahren eine feste Lehreranstellung. Dann war ich wiederum zu alt um verbeamtet zu werden!


  • nds-Redaktion Liebe Frau Wiedemann,

    der von der GEW durchgesetzte Tarifvertrag zur Eingruppierung regelt, dass die Tarifbeschäftigten auch besser bezahlt werden, wenn es gelingt, eine Besoldung nach A13 Z für die Beamt*innen durchsetzen.

    In der Tarifrunde 2019 will die GEW NRW zudem ihre langjährige Forderung nach einer grundsätzlich besseren Vergütung der Tarifbeschäftigten durchsetzen. Lesen Sie hier, wie sich die GEW NRW auf die anstehende Tarifrunde vorbereitet: http://www.nds-zeitschrift.de/nds-10-2018/tarifrunde-2019-forderungsdiskussion-ist-eroeffnet

    Falls Sie mitdiskutieren möchten, finden Sie hier alle Infos zur Tarifpolitischen Tagung der GEW NRW am 14.11.2018: https://www.gew-nrw.de/veranstaltungen/veranstaltung/seminar/Seminartime/detail/tarifpolitische-tagung-1

    Viele Grüße
    Ihre nds-Redaktion
24
Ihre Meinung? Jetzt kommentieren