Lehrkräftemangel in NRW: Wahrheit und Werbung

Kommentar: Imagekampagne für den Lehrer*innenberuf

Lehrkräftemangel in NRW? Ist doch klar, woran es tatsächlich mangelt: an richtig guter Werbung. Das Land NRW macht sich an die Arbeit und plant für 2018 eine Informations-, Image- und Werbekampagne für den Lehrer*innenberuf.

Lehrkräftemangel in NRW: Wahrheit und Werbung

Die europaweite Ausschreibung ist erfolgt und noch vor den Osterferien soll es losgehen. Mit der Kampagne sollen – so steht es im Pflichtenheft – Schüler*innen der Oberstufe und Abiturient*innen als künftige Lehrer*innen für bestimmte Schulformen und Fächerkombinationen gewonnen werden. Zudem sollen Seiteneinsteiger*innen als Lehrkräfte für bestimmte Schulformen und Fächerkombinationen angesprochen werden. Außerdem soll die Kampagne die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung des Lehrer*innenberufs in der Öffentlichkeit erhöhen, den wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert des Berufs verdeutlichen und die gewissenhafte Arbeit der Lehrer*innen noch stärker sichtbar machen. Die Zielgruppen der Kampagne sollen am Ende bestens darüber  informiert sein, wie genau das Schulministerium die Situation der Lehrer*innen verbessert und wie gut die Einstellungsperspektiven für Mangelfächer und Schulformen sind. Als Sahnehäubchen sind belastbare Prognosen und praktische Hinweise für den Berufs- und Seiteneinstieg geplant. Soweit der durchaus anspruchsvolle Part der Werbeagentur.

Was muss die Politik tun?

In ihrer kleinen Regierungserklärung Anfang Oktober 2017 gab Schulministerin Yvonne Gebauer zu Protokoll, dass der Lehrer*innenberuf in unserer Gesellschaft vielmals nicht mehr die angemessene Unterstützung und Wertschätzung erfahre. „Hier müssen wir und hier werden wir handeln“, kündigte die Ministerin an. „Wir müssen den Lehrerberuf attraktiv gestalten und seine gesellschaftliche Wertschätzung stärken.“ Die Vorschläge der GEW NRW hierzu liegen auf dem Tisch: Eine bessere Bezahlung und eine verfassungsgemäße Besoldung sowie eine Senkung der Belastung und der Arbeitszeit sind vordringlich und wären ein ernst zu nehmender Beitrag des Landes zur Attraktivitätssteigerung des Berufs. Wenn Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, jetzt beklagt, dass Schulen heute „eher Baracken der Bildung" seien, ist klar, was Schulträger in dieser Sache beitragen können.

Und die Gewerkschaft?

In Zeiten des Lehrkräftemangels besteht immer die Gefahr, dass sich die Arbeitsbedingungen der Kolleg*innen in den Schulen weiter verschlechtern. Im Schulministerium ist bereits zu hören, die größte Ressource sei das „Personal im Bestand“. Das ist leider richtig und gefährlich. Die GEW NRW tut also gut daran, die geplante Kampagne nach Kräften zu unterstützen, um eine echte Attraktivitätssteigerung für den Lehrer*innenberuf in NRW zu erreichen. Für die Werbenden ist das Teil der „Verbündetenstrategie“: Die Kommunikationsmaßnahmen sollen von einem breiten Bündnis von Partner*innen getragen werden,
zum Beispiel von Lehrer*innen- und Elternverbänden, Industrie- und Handelskammern, Unternehmer*innenverbänden und Wissenschaftsministerien.
Eine gute Informations-, Image- und Werbekampagne für den Beruf allein wird dem Lehrkräftemangel allerdings nicht dauerhaft entgegenwirken. Die Adressat*innen der Kampagne werden sich sehr genau ansehen, worauf sie sich einlassen, denn es geht um nicht weniger als ihre persönliche Berufswahl und Lebensplanung. Hochglanzflyer reichen nicht, wenn das Produkt nicht stimmt. Die Landesregierung ist
also vor allem gefragt, mit der angekündigten Attraktivitätssteigerung zügig zu beginnen.


Michael Schulte
Geschäftsführer der GEW NRW

Foto: zettberlin / photocase.de

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