Schulsozialarbeit gesetzlich sichern

Bundeskongress Schulsozialarbeit

Anfang Dezember 2015 war die Stadt Dortmund Anziehungspunkt für über 600 Fachkräfte der Schulsozialarbeit. Nicht der weltgrößte Tannenbaum auf dem Weihnachtsmarkt, sondern ein Bundeskongress war der Grund, aus dem gesamten Bundesgebiet auf dem Universitätscampus aufzulaufen. Das Forum 4 stand ganz im Zeichen von „Energie und Chancen“. Dort veranstalteten GEW NRW und ver.di NRW gemeinsam einen Workshop zum Tarif- und Arbeitsrecht.

Schulsozialarbeit gesetzlich sichern

Das Forum 4 richtete den Blick auf das grundlegende Selbstverständnis der Fachkräfte und bot eine Übersicht über deren vielfältige Vernetzung. Es präsentierte Außenansichten auf das Arbeitsfeld Schulsozialarbeit, methodische Beispiele zur individuellen Potenzialentwicklung und Chancenförderung sowie zum Energieerhalt in der eigenen Professionalität. Gemäß diesem Anspruch setzten die GewerkschafterInnen ihren Schwerpunkt auf den Arbeitsplatz Schulsozialarbeit und seine Rahmenbedingungen.

Gewerkschaftlicher Rahmen für die Selbstorganisation

Im ersten Workshop standen insbesondere die befristeten Verträge zur Diskussion: Gewerkschaftssekretärin Susanne Uhlenkott von ver.di machte deutlich, dass Recht und Gesetz die eine Seite sind, dass aber vor allem der gewerkschaftliche Organisationsgrad über die Durchsetzungsmöglichkeiten eigener Interessen entscheidet.

Der Dortmunder GEW-Vorsitzende Volker Maibaum schilderte am Beispiel des Dortmunder Aktionskreises Schulsozialarbeit, wie durch öffentliche Aktionen gesellschaftlicher Druck aufgebaut werden konnte, sodass die über 80 Stellen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Dortmund im Sommer 2015 erneut verlängert wurden. „Es waren die beiden Gewerkschaften ver.di NRW und GEW NRW hier in Dortmund, die den KollegInnen den Aktionsrahmen gegeben haben. Ohne gewerkschaftliche Organisation hätte es auch keine eigene Organisiertheit gegeben“,  erläuterte das Moderationsteam. Die Gewerkschaften waren somit der richtige Rahmen für die Selbstorganisation.

SchulsozialarbeiterInnen in den Landesdienst

Deutlich wurde auch, dass die Auseinandersetzung nicht beendet ist: Die TeilnehmerInnen des Workshops berichteten über die vielen Hilfskonstruktionen von freien Trägern, Kommunen oder gar Elterninitiativen, um Schulsozialarbeit organisatorisch in den Schulen abzusichern. Häufig bleiben dabei die Interessen der Beschäftigten auf der Strecke. Die tarif- und arbeitsrechtliche Unsicherheit des Ansatzes „Schulsozialarbeit als Projektarbeit“ entspricht nicht dem inhaltlichen Anspruch von Schulsozialarbeit im Sinne einer langfristigen und dauerhaften Beziehungsarbeit an den Schulen. Nur wenn Schulsozialarbeit zum integralen Bestandteil des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrag wird, können auch die Unsicherheiten durch Befristung und die Ungerechtigkeiten in der Bezahlung behoben sowie allgemein bessere Arbeitsbedingungen erzielt werden.

Deshalb müssen sich die Gewerkschaften weiterhin dafür einsetzen, dass Schulsozial-arbeit über das Schulgesetz auch hier in NRW abgesichert wird. Schulsozialarbeit gehört zum Bildungsauftrag des Landes und muss an das Schulministerium angedockt werden. Damit wären die Fachkräfte der Schulsozialarbeit auch Landesbeschäftigte, die den Mitwirkungsregelungen an Schulen und der personalrechtlichen Vertretung der Personalräte unterliegen. Hier zeigt sich, dass eine Bildungsgewerkschaft wie die GEW auch die Interessenvertretung der Bildungsbeschäftigten ist.

Pädagogischer Glanzpunkt

Der zweite Bundeskongress am 4. und 5. Dezember 2015 wurde getragen vom Kooperationsverbund Schulsozialarbeit, in der auch die GEW vertreten ist, sowie von der Fachhochschule Dortmund und der Stadt Dortmund. Zwei Tage intensive Diskussion im Plenum, Informationsaustausch in fünf Foren mit über 50 Workshops und eine Abschlusserklärung zur Zukunft der Schulsozialarbeit machten den Bundeskongress zu einem pädagogischen Glanzpunkt. Die enorme Beteiligung unterstrich nicht zuletzt den hohen Stellenwert der Schulsozialarbeit.

Volker Maibaum
Vorsitzender des GEW Stadtverbandes Dortmund in NRW

Foto: time. / photocase.de

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