Gewerkschaftsarbeit israelischer Frauen

Frauendelegation des DGB NRW besucht die Na'amat

Nach einem Jahr Vorbereitungszeit ist Ende Oktober 2015 die erste reine Frauendelegation des DGB NRW zu einem Besuch der israelischen Frauenorganisation Na‘amat aufgebrochen. Oberste Priorität der Na‘amat ist es, die Stellung der Frau in der Familie, in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft zu stärken. Sie strebt die Gleichstellung und volle Beteiligung von Frauen am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben an.

Gewerkschaftsarbeit israelischer Frauen

Gewerkschaftsarbeit israelischer Frauen

Die Tage in Israel waren geprägt davon, die gewerkschaftlichen Strukturen Tel Avivs und Israels, die Arbeit der Na'amat als Frauengewerkschaft in ihren Einrichtungen und in den von ihr geförderten Betriebsräten kennenzulernen. Gespräche mit starken und mutigen Frauen haben Eindruck hinterlassen. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen DGB NRW und Histadrut hat mit der Reise der erste Teil des Austauschs stattgefunden.

Das Frauenbild in Israel ist von Gegensätzen geprägt.

Alle Religionen sind vertreten

Als Frauenorganisation der Histadrut engagiert sich die Na‘amat sowohl gesellschafts- als auch sozialpolitisch in den Bereichen der Erziehung und Bildung sowie der Wahrung und Stärkung der Rechte von Frauen. In der gewerkschaftlichen Bildung  bietet die Na‘amat Fortbildungen und Betriebsräte- schulungen an. Neben den Beiträgen der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder finanziert sie sich durch Spenden und öffentliche Zuschüsse für die Bildungseinrichtungen. Die Na‘amat ist Arbeitgeber für mehr als 5.000 zumeist weibliche Beschäftigte in Israel, die in zahlreichen Frauenhäusern, Kitas, Horten, Internaten und anderen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien arbeiten.
Das Verhältnis zwischen Israelis und PalästinenserInnen ist auch dort ein stets präsentes Thema. In den Einrichtungen der Na‘amat wird viel Wert auf die gemeinsame Erziehung von muslimisch gläubigen AraberInnen sowie Jüdinnen und Juden gelegt. Muslimische und jüdische Beschäftigte arbeiten in den meisten Einrichtungen Hand in Hand. Besonders ausgeprägt ist das Konzept in der Shalom-Kita in Tel Aviv umgesetzt (siehe nds 11/12-2014).

Frauenbild der Gegensätze

Das Frauenbild in Israel ist von Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite unterliegen alle Frauen der allgemeinen Wehrpflicht und müssen zwei Jahre zur Armee. Männer gehen drei Jahre. Viele Frauen empfinden das als Stärkung und sichtbaren Teil der Gleichberechtigung. Auf der anderen Seite ist vollkommen klar, dass Frauen Kinder – in der Regel mehrere – bekommen. Sie können bis zu zehn Hormonbehandlungen bis zu einem Alter von 55 Jahren erhalten. In der Zeit, in der sich Frauen einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, genießen sie Kündigungsschutz.
In Israel können Paare nicht zivil heiraten – das kann zu einem großen Nachteil der Frauen im Land werden: So werden Scheidungen vor religiösen Schiedsgerichten entschieden. Die Weltreligionen allerdings sind patriarchalisch geprägt und das gilt insbesondere auch für die drei religiösen Schiedsgerichte – christlich, jüdisch und muslimisch – in Israel. Die Na‘amat beschäftigt Juristinnen, die Frauen und Kinder bei der Wahrung ihrer Rechte im Trennungsfall unterstützen.

In der gewerkschaftlichen Bildung bietet die Na‘amat Fortbildungen und Betriebsräteschulungen an.

Leben und Lernen im Jugenddorf

Das Kanoth Youth Village ist ein Internat, in dem 430 SchülerInnen aus benachteiligten Familien, die im israelischen Schulsystem gescheitert sind, eine Chance erhalten. Die Jugendlichen in den Jahrgangsstufen neun bis zwölf stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Sie werden von 105 KollegInnen unterrichtet, die ein multiprofessionelles, multireligiöses und multiethnisches Team bilden. Die Jugendlichen kommen mit gravierenden Schwierigkeiten nach Kanoth Youth Village. So gibt es Jugendliche, die nur Sprachkenntnisse auf dem Niveau der vierten Klasse haben, obwohl sie in die neunte Klasse gehören. Ihre Defizite sind sehr unterschiedlich, daher ist individuelle Förderung oberstes Prinzip.
Das Jugenddorf ist keine staatlich anerkannte Schule, daher trägt es sich durch Spenden, die Na‘amat und eigene Aktivitäten. Die Jugendlichen arbeiten neben der Schule zum Beispiel im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb, in der Küche oder in der Hundeschule. Über Tanz-, Musik- und Theaterprojekte sollen sie neues Selbstvertrauen gewinnen, sie gehen auf Tour – sogar in Deutschland. Ziel ist es, dass alle, die in Kanoth Youth Village leben und lernen, einen Abschluss machen und anschließend in den Beruf starten.


Maike Finnern

Stellvertretende Vorsitzende der GEW NRW und Mitglied im Bezirksfrauenausschuss des DGB NRW

Fotos (v.o.n.u.): onemorenametoremember und designritter/photocase.de

0 Comments
Kommentieren
Die mit (*) gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare (0)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Lassen Sie es uns wissen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
24
Ihre Meinung? Jetzt kommentieren