Glückliche Lehrer*innen gegen den Lehrkräftemangel

Dringend gesucht: Lehrkräfte in NRW.

Wenn ich erzähle, dass ich zum Glück im Lehrer*innenberuf forsche, begegnen mir viele – egal ob Lehrer*innen oder Vertreter*innen anderer Berufsstände – mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht und stellen sogleich die unvermeidbare Rückfrage: „Glück im Lehrer*innenberuf – gibt’s das?!“ Es scheint, dass sowohl in der gesellschaftlichen Wahrnehmung als auch in der medialen Berichterstattung ein negativ geprägtes Bild von Lehrer*innen überwiegt.

Untersuchungen von Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Blömeke zum „Lehrerbild in Printmedien“ haben ergeben, dass Lehrkräften dabei vor allem Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in den Bereichen der Vermittlung, Erziehung sowie Selbstorganisation und -motivation abgesprochen werden. Darüber hinaus werfen ihnen Medienberichte zu ihrem Arbeitsumfang und ihrer Arbeitsbelastung vor, sich zu wenig einzusetzen, auf ihre Privilegien zu pochen und über eine schlechte psychische Gesamtkonstitution zu verfügen. Auch in der Forschung zu Professionalität und Gesundheit von Lehrer*innen dominieren defizitorientierte Arbeiten deutlich. Zahlreiche Studien zu Belastung und Burn-out versuchen, krankmachende Arbeitsbedingungen als Risikofaktoren für die Lehrer*innengesundheit zu identifizieren.

Wir brauchen einen Perspektivenwechsel!

Öffentliche und private Anbieter*innen von Lehrer*innenfortbildungen setzen bereits eine ressourcenorientierte Brille auf. Projekte wie „Gute gesunde Schule“ oder das Schulfach „Glück“ beschäftigen sich damit, was die Gesundheit und das Wohlbefinden erhält und steigert. Die Forschung geht hier erste Schritte. Grundsätzlich steht fest: Ein ausgeprägtes Wohlbefinden hat positive Konsequenzen für jede*n Einzelnen und die eigene Berufstätigkeit. Wer sich wohlfühlt, hat ein geringeres Risiko an Depressionen zu erkranken und ist gesünder, identifiziert sich stärker mit der*dem Arbeitgeber*in und ist engagierter im Beruf.
Ressourcenorientierte Ansätze zur Erforschung des Wohlbefindens speziell von Lehrer*innen sind jedoch rar gesät. Zudem sind die Definitionen von Lehrer*innenwohlbefinden sowie die methodischen Forschungszugänge höchst divers und deshalb kaum vergleichbar. Ob formelle Aspekte wie Geschlecht, Alter oder die Schulform einen Einfluss auf das Wohlbefinden haben, ist bislang umstritten. Gezeigt werden konnten allerdings unter anderem positive Effekte der Identifikation mit dem Lehrer*innenberuf sowie mit der eigenen Schule, des Interesses für die eigenen Unterrichtsfächer und für das Unterrichten selbst sowie der Beziehungsqualität im Kollegium. Die Studie „Glück im Lehrerberuf“ – durchgeführt von der AG Schulforschung des erziehungswissenschaftlichen Instituts an der Ruhr-Universität Bochum – analysiert derzeit weitere Gesichtspunkte in Hinblick auf das Wohlbefinden von Lehrer*innen, beispielsweise das Zusammenspiel persönlicher Eigenschaften von Lehrer*innen und Eigenschaften der Schule sowie Aspekte der Arbeitsorganisation.

Glück gegen Lehrkräftemangel?

Doch wie hilft Glück im Lehrer*innenberuf gegen den aktuellen Lehrkräftemangel? Die Antwort hängt mit zwei einander ergänzenden Mechanismen zusammen: Ziel muss es einerseits sein, neue geeignete und engagierte Kolleg*innen für den Beruf zu rekrutieren. Voraussetzung dafür ist, dass der Beruf attraktiv ist – ja, sogar Spaß macht – und dass wir selbst als Lehrer*innen, die wir unseren Beruf lieben, jungen Leuten als positive Rollenbilder zur Verfügung stehen. Andererseits gilt es, die Begeisterung und Zufriedenheit älterer Kolleg*innen in ihrem Beruf zu erhalten und sogar noch zu befeuern. Schule kann es sich nicht leisten, deren Erfahrung frühzeitig in den Ruhestand zu entlassen!


Kathi V. Wachnowski
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Schulforschung des Instituts für Erziehungswissenschaft und der Professional School of Education der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bo­chum

Foto: .marqs /photocase.de

 

 

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