Gewerkschaften im Diskurs mit Fachhochschulen

Berufswege und Karriere in der Wissenschaft

Mit ihrer praxisorientierten Lehre, ihren anwendungsnahen Studiengängen und ihren wachsenden Forschungsleistungen sowie ihrer Vernetzung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Region sind Fachhochschulen in NRW eine starke Säule des Hochschulsystems. Ihre Bedeutung nimmt zu: Künftig sollen 40 Prozent der Studierenden hier ihren Abschluss machen. Wie ist es um die Beschäftigungsbedingungen, um Karrieremöglichkeiten und Berufsperspektiven des wissenschaftlichen Personals bestellt?

Obwohl ihre Bedeutung innerhalb des Hochschulsystems zunimmt, stehen die Fachhochschulen vor Problemen: Der wissenschaftliche Nachwuchs bleibt aus, AbsolventInnen sehen keine Perspektive und wandern ab, ProfessorInnenstellen können nicht besetzt werden. Auf Einladung der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen e. V., der Arbeitsgemeinschaft der KanzlerInnen der Fachhochschulen in NRW sowie GEW NRW und DGB NRW wurde diese Themenpalette Ende Juni 2016 auf einer Fachtagung an der Hochschule Düsseldorf erörtert.
Thorben Sembritzki vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) verglich in seiner Keynote den wissenschaftlichen Nachwuchs an Universitäten und Fachhochschulen und analysierte deren Promotionsbedingungen und Laufbahnziele. Sein Befund: Die Promotionsbedingungen an Fachhochschulen sind teilweise günstiger als an Universitäten. So sind FH-Promovierende etwas zufriedener mit der Betreuung, empfinden die damit verbundenen Belastungen als nicht so hoch und erfahren bei insgesamt geringeren Entscheidungsspielräumen zugleich höhere Unterstützung  bei der Karriereplanung. Häufig sei der BewerberInnenmangel an Fachhochschulen auf fehlende Karrierewege und – vor allem beim wissenschaftlichen Nachwuchs an Universitäten – auf fehlendes Wissen über die FH-Professur als Karriereoption zurückzuführen.

Nachwuchsoptionen voll ausschöpfen

Hochkarätige ReferentInnen und eine politische Abschlussrunde mit NRW-Wissenschafts-ministerin Svenja Schulze sorgten für interessante Diskussionen. Auch die universitäre Perspektive wurde durch Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen, und Prof. Dr. Doris Klee, Prorektorin der RWTH Aachen, eingebracht. Der Leiter des Graduierteninstituts für angewandte Forschung der nordrhein-westfälischen Fachhochschulen, Prof. Dr. Martin Sternberg, stellte die Intention des frisch gegründeten Instituts in den Vordergrund: überfachliche Qualifikationen gewährleisten, Qualität der Promotion auf hohem Niveau sicherstellen, Forschungsstärke ausspielen, Kooperationen initiieren und Nachwuchsoptionen voll ausschöpfen. Die Präsidentin der FH Münster, Ute von Lojewski, berichtete über ein erfolgreiches Projekt zur Gewinnung von Frauen für Professorinnenstellen in vermeintlichen Männerdomänen.

GEW-Forderungen zu Berufswegen an Fachhochschulen

Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der GEW, und Thomas Hoffmann, Personalrat an der FH Nordhausen in Thüringen, sprachen sich für einen Ausbau der Personalstruktur an den Fachhochschulen durch Einstellung wissenschaftlicher MitarbeiterInnen aus. Weil das Geld kostet, sind zusätzliche staatliche Mittel für Qualifizierungsstellen erforderlich.
Wenn ein entsprechendes Forschungsumfeld vorhanden ist, soll es für Fachhochschulen ein eigenständiges Promotionsrecht geben, andernfalls sollen kooperative Promotionen institutionell verankert werden. Fachhochschulen sollen für den wissenschaftlichen Nachwuchs Tenure-Track-Optionen anbieten, auch Juniorprofessuren mit der Chance zur parallelen Praxisqualifikation gehören dazu.
Wissenschaftliche Arbeit hat ihren Wert und der soll sich künftig auch in der Bezahlung niederschlagen: FH-ProfessorInnen sollen auf W3-Stellen beschäftigt werden. Die Eckeingruppierung für alle wissenschaftlich Beschäftigten soll die Entgeltgruppe 13 sein, für BachelorabsolventInnen, die nicht über die Promotionsfähigkeit verfügen, die Entgeltgruppe 12.

Nachwuchsprogramm für FH-Professuren

In der politischen Abschlussrunde konnte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze bei allen Teilnehmenden punkten. Sie verkündete ein zwischen dem Wissenschaftsministerium und den NRW-Fachhochschulen gemeinsam entwickeltes Programm zur Qualifizierung für eine FH-Professur, das mit 15 Millionen Euro aus Landesmitteln finanziert wird. Bis zu 80 Plätze stehen im Rahmen des Programms zur Verfügung. Die Teilnehmenden erhalten für drei Jahre einen Arbeitsvertrag an der Hochschule, allerdings ohne Tenure Track, und sind bei einem externen Unternehmen beschäftigt.

Berthold Paschert
Referent für Hochschule und Lehrerbildung der GEW NRW

Foto:, jala / photocase.de

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