Die Lösung aller Probleme?

Multiprofessionelle Teams am Berufskolleg

Kaum einen Begriff wird in schulpolitischen Debatte um Inklusion in NRW ähnlich häufig  genutzt wie „Multiprofessionelle Teams“, ohne dass es eine Definition oder pädagogische Konzeption gibt. An allgemeinen Berufskollegs gestaltet sich die Implementierung besonders schwierig.

2016 werden an den allgemeinen Berufskollegs, die ab August offiziell mit der Inklusion starten, insgesamt gut 300 zusätzliche Stellen – in Relation für circa 10.000 SchülerInnen – für „Multiprofessionelle Teams und für den Mehrbedarf zur Unterstützung der Inklusion“ zur Verfügung gestellt. Wie diese Stellen zu besetzen sind, entscheiden Schulleitung und Schulaufsicht. Das Schulministerium macht keine eindeutigen Vorgaben zu den Professionen, die unter die Begrifflichkeit „Multiprofessionalität“ fallen. Das fehlende pädagogische Konzept machte sich bereits beim ersten Einstellungsdurchgang bemerkbar: Weit über die Hälfte der Stellen wurde weder mit SonderpädagogInnen noch mit SchulsozialarbeiterInnen besetzt. Dabei besteht in Berufskollegs ein großer Bedarf, denn Anspruch auf die Anerkennung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs für die Schwerpunkte Lernen sowie Emotionale und soziale Entwicklung gemäß AO-SF haben Jugendliche nur noch, wenn sie ein Förderberufskolleg besuchen. Zu erwarten ist, dass die Mehrheit von ihnen nach wie vor an die allgemeinen Berufskollegs wechseln wird. Eine Aufgabe, die ohne multiprofessionelle Teams kaum bewältigt werden kann.
Multiprofessionelle Kompetenz zur individuellen Förderung von SchülerInnen ist für eine gute inklusive Schule unverzichtbar. Ohne entsprechende Vorgaben und Handreichungen des Ministeriums und der Schaffung von zeitlichen Ressourcen für Teamabsprachen ist eine gute pädagogische Arbeit mit diesem Instrument jedoch kaum möglich und der Begriff „Multiprofessionelle Teams” droht zur Worthülse zu werden.

Roswitha Lauber
Fachgruppe Berufskolleg der GEW NRW

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