Erwachsene Geflüchtete: Bildung als Chance – Chance auf Bildung

Schulabschlüsse für erwachsene Geflüchtete

Gibt es eine Altersgrenze für einen Schulabschluss? Der Evangelische Kirchenkreis Dortmund beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein! Gemeinsam mit Mitstreitenden in und bei der Stadt macht sich das Evangelische Bildungswerk Dortmund mit seinem Projekt „Kirche macht Schule“ dafür stark, dass erwachsene Geflüchtete besseren Zugang zu Angeboten der Erwachsenenbildung haben.

Die Projektteilnehmer*innen sind hochmotiviert, auf dem zweiten Bildungsweg einen Hauptschulabschluss Klasse 10 zu erreichen. Auch mit Anfang bis Ende 20 oder als Mittdreißiger*in die Schulbank drücken, über die Grund- und Schulbildung den Weg in die Gesellschaft und die Arbeitswelt gehen – das sind ihre gemeinsamen Ziele.  Das Projekt „Kirche macht Schule“ gibt jungen Erwachsenen, insbesondere mit Migrations- und Fluchtgeschichte eine Bildungsperspektive. Über Vorkurse, in denen Deutsch als Fremdsprache und mathematische Grundlagen den Schwerpunkt bilden, hin zu staatlich anerkannten Abschlüssen der Sekundarstufe I. Rechtlich möglich macht dies der Paragraf 6 des Weiterbildungsgesetzes NRW, der nachträgliche Schulabschlüsse regelt. Bildung ohne den Blick auf Status, Pass, Herkunft und Alter, dafür das übergeordnete Ziel der Integration im Blick, das macht dieses Projekt aus.

Ein Abschluss mit Perspektive

Neben dem Schwerpunktfach Deutsch als Fremdsprache stehen laut Prüfungsordnung für nachträgliche Schulabschlüsse Mathe, Deutsch, Biologie, Praktische Philosophie und Arbeits- und Gesellschaftslehre obligatorisch auf dem Stundenplan. Um der Lebenssituation der Teilnehmenden gerecht zu werden, sind Berufsorientierung, Praktika und individuelle Förderung ebenso feste Bestandteile des wöchentlichen Pensums. Außerunterrichtliche Aktivitäten, die die Soft Skills und das Selbstbewusstsein stärken, runden das Angebot ab. Dazu zählen Schreib- oder Kunstwerkstätten und Theaterprojekte.
Zum Start eines Kurses sind die Finanzmittel entscheidend. Getragen werden die Kurse für Geflüchtete jedoch auch vom Bildungswillen der Teilnehmenden sowie vom Engagement der Lehrkräfte und Ehrenamtler*innen. Letztere unterstützen beim Erlernen der deutschen Sprache, beim Leben in Dortmund und bei der Integration in Ausbildung und Arbeit. Dabei bedarf insbesondere das Ziel, geeignete Anschlussoptionen zu finden, einer guten institutionalisierten Netzwerkarbeit.
Nach knapp zwei Jahren beim Evangelischen Bildungswerk Dortmund, im Dezember 2017,  werden die 20 Teilnehmenden des laufenden Kurses ihr Zeugnis in den Händen halten. Entlassen werden sie – so die Absicht – mit Anschlussoptionen in Form von einer Ausbildungsstelle oder einem weiteren Schulbesuch in Richtung mittlerer Schulabschluss bei einem Netzwerkpartner aus der Bildungskooperative Dortmund.

Die ewige Ressourcenfrage

Seit über zehn Jahren bietet das Evangelische Bildungswerk Dortmund spezielle Kurse für Geflüchtete an – von Jahr zu Jahr mit der Schwierigkeit, die finanziellen Mittel aus sich selbst heraus zu sichern. Der aktuelle Kurs ist möglich dank der Förderung durch Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Westfalen und Lippe e. V., dank Spenden und Stiftungen sowie kirchlicher Eigenmitteln.
Aufgrund knapper Raum-, Personal- und Finanzressourcen gehört derzeit ein Lehrgang für Geflüchtete neben den drei Lehrgängen für Jugendliche ab 16 Jahren und vier Lehrgängen für Frauen mit Migrationshintergrund zum Angebot von „Kirche macht Schule“. Wenn der ESF das Projekt weiterhin unterstützt, ist ab 2018 wieder ein Vorkurs für erwachsene Geflüchtete in Planung. Der Bedarf – festgehalten in Wartelisten und ermittelt in Abstimmung mit  der Stadt – spricht dafür, dass sich die Evangelische Kirche Dortmund weiterhin für die Beschulung von erwachsenen Geflüchteten einsetzt, um ihnen eine Chance auf Bildung zu bieten.

Katrin Köster
Leiterin des Evangelischen Bildungswerks Dortmund

Foto: Laanor / photocase.de

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