DaZ/DaF-Lehrkräfte: Gemeinsam mehr erreichen

Strategiekonferenz zur Situation der Lehrkräfte in der Weiterbildung

Auch wenn sich die Bezahlung der Lehrkräfte für Deutsch als Fremd- und Deutsch als Zweitsprache (DaF / DaZ) in den vergangenen eineinhalb Jahren zumindest in einigen Weiterbildungseinrichtungen positiv entwickelt hat: Insgesamt ist die Situation der Beschäftigten weit von den gewerkschaftlichen Forderungen entfernt. Für die GEW NRW ist klar: Es muss weitergehen! Aber wie? Bei der Strategiekonferenz der GEW NRW am 31. März 2017 entwickelten GEW-Kolleg*innen von Landes- und Bundesebene gemeinsam einen Fahrplan.

Drei Ziele verfolgte die Konferenz, zu der neben Expert*innen wie Ansgar Klinger, Leiter des Organisationsbereichs Berufliche Bildung und Weiterbildung der GEW, vor allem betroffene Kolleg*innen eingeladen waren:

  1. einen möglichst repräsentativen Überblick über die Situation im Bereich DaF / DaZ in NRW herstellen
  2. Forderungen diskutieren
  3. landesweit abgestimmte Umsetzungsstrategien entwickeln und verabreden

Die Veranstaltung diente außerdem dazu, den Austausch zwischen Lehrkräften, aktiven Gewerkschafter*innen vor Ort sowie dem gewählten Fachgruppenausschuss Erwachsenenbildung der GEW NRW voranzutreiben. Um miteinander erfolgreich zu sein, diskutierten die Teilnehmer*innen nicht nur die Honorar- oder Beschäftigungssituation, sondern auch die Strukturen innerhalb der GEW.

Wie ist die Lage?

Schwarz, manchmal dunkelgrau und mit kleinen Lichtflecken – so stellt sich die Situation der Lehrkräfte in der Weiterbildung in NRW dar. Die Bandbreite der Bezahlung ist groß:  Lehrkräfte in der berufsorientierten Weiterbildung beispielsweise erhalten Honorare von unter 15,- Euro pro Stunde. Lehrkräfte in Integrationskursen können mit einem Stundenlohn von 35,- Euro planen. Vereinzelt gibt es unbefristete Festanstellungen analog zu oder mit einer tariflichen Bezahlung nach Entgeltruppe 13 des TV-L und mit einer Unterrichtsverpflichtung wie im Schuldienst.
Gerade wenn sich die Arbeitsbedingungen vor Ort so unterschiedlich gestalten, spielen die lokalen GEW-Fachgruppen eine entscheidende Rolle bei der Beratung und Organisation von Beschäftigten in der Weiterbildung. Viele Kolleg*innen sind mit der Arbeit in den Fachgruppen vor Ort zufrieden. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die Aktiven in der GEW sich intern und vor allem gremienübergreifend noch stärker austauschen und vernetzen müssen.

Forderungen gemeinsam entwickeln

Die GEW NRW hat ihre Forderungen für bessere Arbeit in der Weiterbildung längst formuliert, auch wenn sie damit noch nicht erreicht hat, was viele als gerecht ansehen: eine flächendeckende tarifliche Festanstellung analog zu tarifbeschäftigten Lehrer*innen im Schuldienst oder an der Universität. Ein erster Schritt ist die flächendeckende Anerkennung der Arbeitnehmerähnlichkeit für Honorarkräfte, die sich in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Auftraggeber befinden. Die GEW NRW will ein Mindesthonorar von 54,- Euro durchsetzen – das entspräche einer Eingruppierung in die TVÖD-Entgeltgruppe 11.
Dies ist der Ausgangspunkt für weitere Forderungsdiskussionen, die die GEW NRW als interaktiven und zirkulären Prozess gestalten will und muss, in den sich alle einbringen können. Denn nur wenn die aktiven Kolleg*innen wissen, wie die Forderungen entstehen, wie sie begründet sind und wenn sie sie mittragen, können sie sie auch gut vertreten! Und es stehen einige Forderungsdiskussionen an: zur tariflichen Eingruppierung von Lehrkräften in der Weiterbildung und speziell in vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Deutschkursen, zu verschiedenen Formen von Tarifverträgen, aber auch zur Eingruppierung des planenden Personals beispielsweise in Volkshochschulen.

Wir kämpfen weiter

Die GEW NRW hat durch ihre Arbeit auf verschiedenen Ebenen, mit unterschiedlichen Aktionen sowie in Diskussionen in Gremien, Anhörungen und im persönlichen Kontakt bereits erreicht, dass die Weiterbildung als Thema Eingang in die Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl gefunden hat. Daran will die Bildungsgewerkschaft die Parteien auch nach der Wahl in Aktionen erinnern und das Thema auch im Bundestagswahlkampf in Veranstaltungen mit Bundestagskandidat*innen aufs Tableau bringen. Um ihre Forderungen durchzusetzen, muss die GEW nicht nur laut sein, sondern braucht viele Mitglieder – gerade wenn sie Tarifverträge verhandeln und durchsetzen möchte! Um mehr Kolleg*innen zu erreichen, plant die GEW NRW eine Veranstaltung, in der nicht nur die Ziele diskutiert werden, sondern auch für ein gemeinsames und solidarisches Vorgehen geworben wird. Die GEW NRW kann aber noch mehr! In vielen Weiterbildungseinrichtungen stehen auch planende und leitende Kolleg*innen hinter den Forderungen der Bildungsgewerkschaft, als Mitglieder aber auch als Nichtmitglieder. Auch hier will die GEW NRW in einen stärkeren Dialog treten und das gemeinsame Vorgehen vorantreiben, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen.Nun sind alle gefragt! Im November 2017 entscheidet der Gewerkschaftstag, wohin die  GEW NRW gehen will. Stadtverbände, aber auch der Fachgruppenausschuss Erwachsenenbildung kann Anträge einreichen, die die GEW-Position in Weiterbildungsfragen  verdeutlichen. Nutzen wir die Zeit, um unsere Positionen inner- und außerhalb der GEW zu verbreiten. Und das am besten zusammen. 

 

Helle Timmermann
Mitglied im Leitungsteam der Fachgruppe Erwachsenenbildung der GEW NRW

 

Foto: complize / photocase.de

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