Pädagogische Führung mit Biss

SchulleiterInnen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen einem klugen Kollegium, anspruchsvollen Eltern, pubertären SchülerInnen und einem fordernden Ministerium. Diese konflikthafte Dauerberieselung bewältigen sie für ein eher homöopathisches Mehrgehalt. SchulleiterInnen sind wahre IdealistInnen! Wer in diesem Spannungsfeld bestehen will, braucht nicht allein Fairness und Teamgeist, sondern auch Durchsetzungsstärke und Biss. Entsprechend gelten 80 Prozent Gutmensch plus 20 Prozent Mephisto als das ideale Führungsprofil.

Die Peperoni-Strategie

Pädagogische Führungskräfte, die diesem Ideal folgen, laufen weniger Gefahr Opfer von zermürbenden Machtspielen zu werden. Warum? Wenn Ihr Kollegium weiß, dass Sie nicht nur nett sind, sondern auch zubeißen können, sofern die Situation es erfordert, werden sie sich zwei Mal überlegen, ob sich die Auseinandersetzung mit Ihnen lohnt. Diese gesunde Durchsetzungsstärke wird Peperoni-Strategie genannt. Die Peperoni symbolisiert den angemessenen Schärfegrad, mit dem man als Führungskraft weder zu harmlos, noch übertrieben scharf agiert. Die Strategie basiert auf Grundregeln. Wer sie beachtet, wird sich besser behaupten können und weniger Burn-Out gefährdet sein, weil sie der eigenen Psyche gut tut.

  1. Unterlassen Sie chancenlose Kraftproben! Bevor Sie in eine Auseinandersetzung gehen, prüfen Sie die Gewinnchance. Liegt diese bei 51 Prozent, lohnt es sich einzusteigen. Sollten die Erfolgsaussichten schwächer sein, lassen Sie die Finger davon. Ziehen Sie das Projekt erst dann wieder aus der Schublade, wenn die Zeichen auf Erfolg stehen.
  2. Positionieren Sie sich! Wenn die anderen wissen, woran sie bei Ihnen sind, stellen sie sich darauf ein. Das erleichtert Führung. Sie sind die Leitung. Sie verraten Ihre Grundeinstellungen und alle wissen, woran sie sind. Teams begrüßen diese Klarheit, selbst wenn sie nicht Ihre Meinung teilen sollten.
  3. Meiden Sie Dauer-BedenkenträgerInnen! Wer sich mit dieser Gruppe umgibt – die nie zufrieden zu stellen ist – wird im Job verzweifeln. Die Larmoyanten einzubeziehen hilft niemandem, schadet aber Ihrer eigenen Reputation, weil nicht der Eindruck von Hilfsbereitschaft, sondern von Solidarität mit den ewig Jammernden entsteht. Das ist das Gegenteil einer Win-Win-Strategie.
  4. Pflegen Sie Ihre Einstecker-Qualität! Wer sich durchsetzen will, stößt unvermeidlich auf
  5. Widerstand. Das kann schmerzhaft sein, weil die Gegenwehr bevorzugt auf Ihre Schwachstellen zielt. Davon sollten Sie sich nicht irritieren lassen, denn es ist Teil des Machtspiels. Außerdem erfahren Sie auf diese Weise, auf wen Sie künftig nicht setzen sollten, denn diese KollegInnen werden sich auch in Zukunft kaum loyal verhalten.
  6. Reagieren Sie sofort auf negative Gerüchte, die über Sie kursieren! Wenn Ihnen Anspielungen über Sie zu Ohren kommen, müssen Sie schnell reagieren, denn bevor Sie von Gerüchten erfahren, hat bereits das ganze Kollegium davon gehört. Gerüchte schwächen Ihre Position und es bleibt häufig etwas hängen. Dies gilt besonders für vermeintlich harmlose, weil absurde Gerüchte, die zum Beispiel Ihre Unzuverlässigkeit oder fehlende Seriosität betreffen.
  7. Führen Sie regelmäßig GegenspielerInnen-Analysen durch! Fragen Sie sich in Abständen, wer Sie im Team zwar immer anlächelt, aber faktisch gegen Sie agiert und auch die beste Idee zu Grabe trägt. Erwarten Sie von diesen Personen nichts. So werden Sie auch nicht enttäuscht.

Beherrschen Sie Machtspiele – aber nur, wenn Sie sie brauchen

Gut, wenn Sie diese Grundregeln beherrschen, denn auch im pädagogischen Umfeld werden Sie sie brauchen. Aber vergessen Sie nicht: Agieren Sie Machtspiele nicht mit Menschen aus, die kollegial sind und mit denen Sie in konstruktiven Gesprächen zu guten Lösung gelangen können. Diese KollegInnen sollten in den Genuss Ihrer wohlschmeckenden Paprikasanftheit kommen. Die scharfen 20 Prozent bleiben für die anderen reserviert. 

Prof. Dr. phil. Jens Weidner, Professor für Erziehungswissenschaft an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Foto: iStock.com / ArtMarie

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2 Kommentare
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  1. Peter AarseMir reichts !

    Warum kann ich diesen Artikel nicht disliken!

    Merkwürdiges Verständnis von Kommunikation mit dem Leser !!!
    1. nds-Redaktion // Anja HeifelHallo Herr Aarse, das stimmt: Einen Dislike-Button gibt es bei uns ebenso wenig wie in den sozialen Netzwerken. Aber wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Kritik per Kommentarfunktion übermitteln.
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