Kooperatives Lernen: Kein Medienfeuerwerk abbrennen

Kooperativen Unterricht mit Medien gestalten

Kooperatives Arbeiten und Medien sind untrennbar miteinander verbunden. Der Einsatz von Medien erfordert in der Aufbereitung, Herstellung und Lagerung einen erheblichen Aufwand. Deshalb sollten Medien den Lernenden und dem Lernertrag angemessen, nachhaltig einsetzbar sowie an die Räumlichkeiten angepasst sein.

 Was ist bei der Planung des Unterrichts, der Räumlichkeiten und der Medien zu berücksichtigen, damit kostbare Ressourcen von Lehrenden und Lernenden sinnvoll genutzt werden? Zunächst bedarf jeder Medieneinsatz eines Verantwortlichen, der die Nutzung vorbereitet und gegebenenfalls die Geräte wartet. Das kann zeitaufwändig sein und muss entsprechend eingeplant werden. Wird ein medienunterstützter Unterrichtsprozess nicht mehrfach genutzt oder ein Medium nicht regelmäßig verwendet, rechnet sich der Aufwand der Vorbereitung meist nicht. Möglicherweise sind manuelle Alternativen dann sinnvoller, da Lehrkräfte weniger Zeit investieren müssen.
Auch die räumliche Situation muss dem Einsatz der gewählten Medien angemessen sein: Viele Unterrichtsräume eignen sich nicht (mehr) für den Einsatz von projizierenden Medien, seitdem infolge von Brandschutzmaßnahmen oder Geldmangel die Verdunklung in vielen Klassenräumen abgeschafft worden ist. Der Raum muss aber ausreichend abgedunkelt werden können, sonst fällt der sinnvolle Einsatz aller moderneren Medien wie Computer, Beamer,
Visualisierer ebenso weg wie der des traditionellen Overheadprojektors. Ist eine Verdunklung nicht gewährleistet, bleiben nur die frühen Morgenstunden, Nachmittage im Winter sowie düstere Schlechtwetterperioden, um mit den Medien zu arbeiten. Wer seine Unterrichtsplanung nicht vom Wetter abhängig machen möchte, braucht dauerhaft einen Hochleistungsprojektor oder nutzt analoge Medien.

Projizierende Medien

In erster Linie sind projizierende Medien ressourcenschonend. Weil Materialien nicht für jeden Lernenden ausgedruckt werden müssen, sparen die Medien Papier und Zeit. Digitalisiert können sie den meisten Lernenden per E-Mail, Klassengruppe oder App zugänglich gemacht werden. Über diese Medien kann der Lernprozess dokumentiert und individuell weiterentwickelt werden. Eine schlechte Schrift ist kein Problem mehr, weil jede*r Druckbuchstaben lesen kann. Unversierte oder Lernende, die in der deutschen Sprache unsicher sind, bekommen parallel Unterstützung durch ein Rechtschreibprogramm. Sind alle am Lernprozess Beteiligten medial affin, besteht die Möglichkeit, dass Lernende mittels im Klassenraum aufgebauter Hotspots über ihre eigenen Smartphones, Laptops oder Tablets Zugriff auf die Projektionsmedien haben. Kooperative Lernprozesse können direkt in präsentable Projektionen münden. Die Tabelle bietet digitale Alternativen zu den traditionell bekannten Medien.
Auch der Einsatz von Computern ist kein kommunikatives Hindernis mehr, sondern befeuert die Medienkompetenz. Aber nicht immer erscheint es von Vorteil, dass die Resultate am Unterrichtsende von den Lernenden fotografiert werden können: Allzu häufig glauben Lernende, dass mit der digitalen Dokumentation automatisch auch die mentale Verarbeitung einherginge. Folgende Fragen können Lehrende bei der Unterrichtsplanung mit projizierenden Medien unterstützen:

  • Kann der Raum so gestaltet werden, dass eine Projektion für jede*n Lernende*n erkennbar ist?
  • Wie kann eine Kleingruppe Zugriff auf die Projektion haben oder mit den Inhalten  arbeiten? Müssen die Inhalte verschiedener Gruppen verglichen werden?
  • Wie können die Lernenden ihre Erkenntnisse für die Projektionsmedien aufbereiten?
  • Wie kann das erarbeitete Wissen der Kleingruppen allen Teilnehmer*innen der Lerngruppe zur Weiterarbeit zur Verfügung gestellt werden? Ist eine Umsetzung in ein anderes Medium sinnvoll?
  • Wie viel Zeit und Ressourcen brauchen Lehrende und Lernende, um den Unterrichtsinhalt medial adäquat aufzubereiten?

Tafel als Unterrichtsmedium

Die Tafel ist in fast jedem Klassenraum vorhanden, schnell aufbereitet und bei fast jedem Licht sichtbar. Die Schrift muss jedoch geübt werden, damit sie lesbar ist. Sie muss in den Größenverhältnissen der Länge des Klassenraums angepasst werden. Aufbau und Einsatz der Tafel sind genauso zu planen wie ein digitales Medium, sie ist aber manchmal flexibler als Computerprogramme. Dabei ist es zunächst irrelevant, ob die Tafel weiß oder schwarz ist. Die Struktur des Tafelbildes muss erkennbar sein, ebenso wie der Zweck. Eine Überschrift gehört wie das Datum obligatorisch dazu. Für kooperative Lernformen sind dabei Entwicklungen interessant, die einen Einsatz von Tafeln oder tafelähnlichen Produkten am Gruppentisch ermöglichen.
Vorteilhaft ist der Wegfall von Papier und Karton für einmalige Präsentationen sowie die Veränderung der Visualisierungen während des Arbeitsprozesses. Dazu sind von verschiedenen Herstellern Tafeln entwickelt worden, die auf der Basis eines DIN A2 großen Whiteboards mit entsprechenden Markern beschriftet werden. Eingehängt in ein simples, robustes Schienensystem können sie im Raum verschieden positioniert werden: nebeneinander für einen direkten Vergleich oder im Raum verteilt für Rundgänge. Werden diese Tafeln nicht gebraucht, hängen sie an der Wand und nehmen – anders als Stellwände – nicht viel Platz ein. Folgende Fragen können Lehrende beim Einsatz der Tafel unterstützen:

  • Welchen Zweck hat ein Tafelbild?
  • Welche Struktur hat es? Gibt es Formalia, die immer am gleichen Platz stehen und von den Lernenden übernommen werden sollen?
  • Wie können Lernende ihre Ergebnisse auf den Tafeln präsentieren? Wie kann es     gelingen, dass ihre Ergebnisse lesbar und zur Weiterarbeit geeignet sind?
  • Müssen die Ergebnisse von Gruppenarbeiten vergleichbar sein?
  • Muss das Tafelbild zur nächsten Unterrichtseinheit wieder präsent sein?
  • Wie gelingt eine sinnvolle Umsetzung in ein anderes Medium?

Realia zur Veranschaulichung

Nicht ersetzbar für Vorgänge des Begreifens, Durchdringens und Berührens sind reale Anschauungsgegenstände, sogenannte Realia. Wer beispielsweise ein Foto einer Feder sieht, erkennt was es ist, aber nur wer sie in den Händen hält, weiß, wie leicht sie ist. Für jeden Lernprozess in Kleingruppen sollte eine gleichwertige Realia vorhanden sein, damit jede*r die Chance einer handgreiflichen Auseinandersetzung hat. Bei Federn mag das für Lernorganisator*innen kein Problem sein, bei handlungsorientiertem Unterricht für Fahrzeugmechatroniker*innen könnte eine Untersuchung des Motorblocks schwierig werden. Hier sind die methodische Versiertheit des Lehrenden, eine gute Ausstattung durch die Träger und eine entsprechend gezielte Organisation des Unterrichts sowie Sammlungen notwendig.
Alternativ ist die Verlegung des Lernorts zu Kooperationspartner*innen möglich. Lernen mit allen Sinnen und Einblicke, die über schulische Möglichkeiten hinausgehen, wirken am  nachdrücklichsten. Diese Umsetzung dürfte aus vielerlei Gründen eine Ausnahme sein. Die unvermeidliche Alternative ist ein Film, der komplexe Themen reduziert und verständlich didaktisch aufbereitet. Emotional erreichen kann er Lernende in der Regel weniger. Aktivierender ist es, einen eigenen Erklärfilm zu drehen. Smartphones bieten diese Möglichkeit. Folgende Fragen können Lehrende bei der Unterrichts-planung mit Realia unterstützen:

  • Ist Lernen an einem anderen Ort, eine Exkursion, eine Kooperation mit externen Partner*innen sinnvoll?
  • Kann der Lerngegenstand real zur Verfügung gestellt werden?
  • Kann der Lerngegenstand in genügender Anzahl für Kleingruppenarbeit zur Verfügung gestellt werden?
  • Welche Umsetzung in ein anderes Medium ist sinnvoll?
  • Ist der Lerngegenstand in verschiedene Teilaspekte für Kleingruppenarbeit unterteilbar? Ist Stationenlernen sinnvoll?

Lernen braucht intelligente Wiederholungen, Variation der Medien und der Lernzugänge.

Marayle Küpper
Lehrerin für Gestaltungstechnik und Deutsch, Fachleiterin Gestaltungstechnik am ZfsL Düsseldorf, Moderatorin für Kooperatives Lernen am Green-Institut Rhein-Ruhr

Dr. Petra Regina Moog
Leitung der SOPHIA::Akademie Düsseldorf, Schulentwicklungsbegleiterin und Schulbauberaterin, Dozentin für Begabungsförderung am CCB Düsseldorf

Foto: willma... / photocase.de; Illustration: Zirconicusso / Freepik

0 Kommentare
Kommentieren
0 Kommentare
Die mit (*) gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
24
Ihre Meinung? Jetzt kommentieren