Krisen sind eine Gemeinschaftsaufgabe

Krisenmanagement an Schulen

Vandalismus, Mobbing oder Unglücke – Krisen an Schulen haben viele Gesichter. Die nds sprach mit Denise Diehl, Schulleiterin des Hermann-Emanuel-Berufskollegs des Kreises Steinfurt, über Krisenmanagement als Herausforderung für Schulen.

Krisen sind eine Gemeinschaftsaufgabe

nds: Wie gehen Schulen in NRW mit Krisensituationen um?

Denise Diehl: Schulen sind regelmäßig mit vielen unterschiedlichen Krisensituationen konfrontiert. Dabei sind die großen Ereignisse, die die ganze Schule betreffen, wie zum Beispiel das Busunglück auf der Klassenfahrt, eher Ausnahmen. Im Alltag sind es zumeist Raufereien auf dem Schulhof, eventuell sogar mit Waffengebrauch, Vandalismus, Mobbing oder Cybermobbing, Nötigung von Mitschüler*innen oder Beleidigungen und Handgreiflichkeiten gegenüber Lehrkräften.
Aggressives Verhalten ist grundsätzlich normal. Kinder und Jugendliche in der Phase der Identitätsfindung können sich darüber selbst behaupten, verfügen aber noch nicht über die notwendige Selbststeuerung, um das Verhalten auszubalancieren. Aufgabe der Erzieher*innen und der Schule ist es, die Grenzen aufzuzeigen, aber auch die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen zu unterstützen. Das ist ein Balanceakt, der unter den vielfältigen Anforderungen, denen Schule gerecht werden soll, die Kolleg*innen stark fordert. Der Beziehungs- und Erziehungsarbeit kommt heute in allen Schulformen ein wesentlich höherer Stellenwert zu als früher.
Alle am Schulleben Beteiligten sind für Gewaltphänomene, gerade nach den Amokläufen der vergangenen Jahre, stärker sensibilisiert. Das ist gut, denn Hinsehen ist die erste Maßnahme zur Prävention! Geschärft ist unser Blick auch für bestimmte Krankheitsbilder, die autoaggressives Handeln mit sich bringen – Selbstverletzungen, Essstörungen, Suizidversuche. Dasselbe gilt auch für Gewalt im häuslichen Umfeld.

Welche Strukturen müssen Schulen vorhalten, um im Ernstfall angemessen reagieren zu können?

Schulen müssen über ein gut vorbereitetes Krisenteam verfügen und klare Vorstellungen von den notwendigen Schritten in verschiedenen Krisensituationen haben. Sie sind gut beraten, wenn sie sich regelmäßig – ohne konkreten Anlass – treffen, um Ablaufpläne für verschiedene Szenarien zu erarbeiten, die immer wieder in Schulen auftreten können. Viele Ereignisse erschüttern nicht nur diejenigen, die unmittelbar betroffen sind, sondern auch die ganze Schulgemeinschaft und zum Teil auch die breitere Öffentlichkeit. Alle Beteiligten bedürfen unterschiedlicher Fürsorge und es muss gut kommuniziert werden. Das kann nur gelingen, wenn die Rollenverteilung im Krisenteam eindeutig geklärt und besprochen ist, wie die Abläufe im Haus im Ernstfall geregelt werden sollen. Hilfreich ist zur Vorbereitung der Notfallordner des Ministeriums.
Auch allen Lehrkräften und Schüler*innen müssen Hilfs- und Unterstützungssysteme  bekannt und zugänglich sein. Externe Hilfen werden heutzutage stärker eingebunden. Dazu zählen zum Beispiel die schulpsychologischen Beratungsangebote und Workshops zur Gewaltprävention oder Selbstbehauptung. Gute Beratungsstrukturen und Präventionsarbeit sind weitere wichtige Säulen. Am allerwichtigsten sind jedoch ein gutes und gesundes Schulklima, ein freundlicher und respektvoller Umgang miteinander und eine zugewandte Haltung, die Veränderungen möglich macht und Werte vorlebt.  

Welche Professionen werden dafür an Schulen gebraucht?

Neben gut aus- und fortgebildeten Lehrkräften sind multiprofessionelle Teams notwendig, die je nach Schulprofil und -umfeld aus Schulsozialarbeiter*innen, Schulpsycholog*innen, Sonderpädagog*innen und weiteren pädagogischen Mitarbeiter*innen bestehen sollten. In so einem Team werden die Kompetenzen gebündelt und gemeinsame Handlungsstrategien für die Schule erarbeitet. Die breite Aufstellung führt zu einer hohen Akzeptanz. Krisen zu meistern, ist eine Gemeinschaftsaufgabe.


Die Fragen für die nds stellte Jessica Küppers.

Foto: photögraphy.com / photocase.de

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