So geht Europa in Schule und Hochschule

Europa lehren

Die EU ist ein wichtiges Thema in Schule und Hochschule. Aber wie lässt es sich spannend und praxisnah umsetzen? Drei Bildungseinrichtungen stellen ihre Projekte und Initiativen vor.

So geht Europa in Schule und Hochschule

Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises Siegburg, Teilstandort Eitorf

Im Herbst 2018 startete am Teilstandort Eitorf des Berufskollegs des Rhein-Sieg-Kreises Siegburg unser Projekt „Mein Weg in die digitalisierte und globalisierte Arbeitswelt“, das als Projekt Erasmus+ durch die Europäische Union über einen Zeitraum von zwei Jahren finanziell gefördert wird.
Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung gehören zu den aktuell größten Herausforderungen für Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen. Der sich stetig wandelnde Arbeitsmarkt erfordert von seinen Akteuren sehr viel Flexibilität sowie gute Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten, um langfristig in der heutigen Arbeitswelt bestehen zu können. Auch werden interkulturelle Kompetenzen immer wichtiger. Daher hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt, Schüler*innen für diese Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 zu sensibilisieren und mit den notwendigen Qualifikationen vertraut zu machen.

Kooperationen mit Unternehmen im In- und Ausland

Im Rahmen des Projekts entwickeln wir verschiedene Kooperationsmodule mit Unternehmen, um die Veränderungen in der Arbeitswelt für die Schüler*innen erlebbar zu machen. Dazu gehören zum Beispiel die Betreuung von Schüler*innen bei der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien für einzelne Geschäftsprozesse, die Durchführung von Tagespraktika oder Betriebsbesichtigungen.
Durch den Austausch mit Unternehmen erhalten die Schüler*innen praktische Einblicke in verschiedene kaufmännische Wirtschaftsbereiche und dabei einen konkreten Eindruck von den sich stark verändernden Wirtschafts- und Informationsprozessen. Diese Erfahrung ermöglicht ihnen, sich über die Konsequenzen für ihre eigene Ausbildung und das kommende Berufsleben bewusst zu werden.
Das Erasmus+ Projekt wird gemeinsam mit den Partnerschulen „Lycee Françios Camel“ aus St. Girons in Frankreich und „IISS Marco Polo“ aus Bari in Italien durchgeführt. Die Kooperation ermöglicht den Schüler*innen, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene verschiedene Unternehmen und Berufskarrieren kennenzulernen und auch dadurch Perspektiven für den eigenen beruflichen Werdegang zu entwickeln.

Persönliche Weiterentwicklung für Schüler*innen

Die Schüler*innen lernen digitale Tools zur Organisation, Kommunikation und Präsentation kennen und setzen sie ein. Darüber hinaus vertiefen sie ihre Fremdsprachenkenntnisse, denn der Austausch mit den Partnern findet überwiegend auf Englisch statt. Dabei lernen sie mehr über die Kultur der Partnerländer, entwickeln neue persönliche Kontakte über Landesgrenzen hinweg und überwinden Vorurteile.
Tatkräftige Unterstützung bei der Antragstellung und Durchführung des Projektes haben wir durch die Europa-Geschäftsstelle „Wirtschaft und Berufsbildung“ der Bezirksregierung Köln erhalten.


Michaela Köser-Segschneider
Initiatorin und Hauptkoordinatorin des Projekts Erasmus+ am Berufskolleg Siegburg

Fotos: iStock.com / ViktorCap, gorodenkoff

 

 

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Universität Trier, Arbeitsbereich Didaktik der Gesellschaftswissenschaften

Seit dem Wintersemester 2017 / 2018 bietet die Universität Trier den Lehramtsstudierenden aller Fächer eine neue Option an: das Zusatzzertifikat „Leben und Lernen in der Großregion“. Dieses Angebot wurde von der Professur für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften initiiert und in Kooperation mit dem Zentrum für Lehrerbildung und der Referentin der Universität umgesetzt. Es nutzt die Lage der Universität Trier im Herzen der Großregion, um zentrale Querschnittsthemen wie interkulturelle Bildung, Internationalisierung und Europabildung in der gelebten Praxis einer transnationalen Region zu vermitteln.

Berührungspunkte mit europäischen Nachbarn

Gegenstand des Zertifikatsstudiums sind neben interkultureller Kompetenz, Exkursions- und Sprachendidaktik auch Strategien transnationaler und regionaler Schul- und Unterrichtsentwicklung. Studierende können ihre Kenntnisse zu Geschichte, Kultur, Arbeitsmarkt und Gesellschaft der Teilregionen vertiefen und in Sprachkursen ihre Kompetenzen in den Landessprachen der Großregion ausbauen. Die kurzen Wege sind hierbei ein großer Standortvorteil, da sie die Teilnahme an Veranstaltungen verschiedener Partnerinstitutionen ermöglichen.
Für viele Schüler*innen, aber auch viele angehende Lehrende sind die Nachbarn jenseits der Landesgrenzen ein eher unbekanntes Gebiet. Hier setzt das Zertifikat an und bietet den Studierenden ein niedrigschwelliges optionales Angebot. „Durch das Zertifikatsstudium erlebe ich den Mehrwert, den eine transnationale und multiperspektivische Betrachtung verschiedener Themengebiete gegenüber einer nationalen hat. In der Großregion treffen verschiedene Sprachen und Kulturen auf kleinem Raum aufeinander, was die Chance bietet, Schülerinnen und Schüler schon früh in Kontakt mit anderen Kulturen zu bringen, um somit Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede herauszustellen und eine Identität der Großregion zu entwickeln“, sagt Vanessa Prinz, die eine der ersten Absolvent*innen des Zertifikats und angehende Gymnasiallehrerin ist.

Exkursionen und Seminare: Wie tickt Europa?

Das Programm umfasst Veranstaltungen im Umfang von 14 Semesterwochenstunden und kann in allen Phasen des Studiums begonnen werden. Nach einer Einführungsphase an der Universität Trier wählen die Studierenden ihre eigenen Schwerpunkte aus dem halbjährlich wechselnden Veranstaltungsverzeichnis. Mindestens zwei Semesterwochenstunden absolvieren die Teilnehmenden bei Seminaren, Exkursionen oder Weiterbildungen außerhalb von Rheinland-Pfalz, um die Großregion praktisch vor Ort zu erleben. Anbieter dieser Veranstaltungen sind beispielsweise das „Zentrum fir politesch Bildung Luxemburg“, Partner an den Universitäten in Luxemburg und Saarbrücken sowie die Lehrerbildungs-
institute in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Dieses Modell ließe sich auch auf andere Grenzregionen übertragen, vor allem, wenn bereits bestehende Kommunikationswege und Kooperationen genutzt werden können, so der Initiator des Zertifikats, Prof. Matthias Busch.


Dr. Julia Frisch
koordiniert am Arbeitsbereich Didaktik der Gesellschaftswissenschaften der Universität Trier die Inhalte des Zusatzzertifikats „Leben und Lernen in der Großregion“

 

 

So geht Europa in Schule und Hochschule

Europaschule Krupp-Gymnasium in Duisburg

Warum sind wir Europaschule? Zunächst einmal haben wir als Gymnasium einen bilingualen Zweig. Schüler*innen können bei uns ein englischsprachiges Abitur ablegen und zusätzlich das Zertifikat CertiLingua erwerben, das ihnen nicht nur besondere sprachliche Fertigkeiten, sondern auch weitere Aktivitäten in europäischem Zusammenhang bescheinigt. Jährlich machen mehr als 30 Abiturient*innen ein bilinguales Abitur, einige von ihnen mit CertiLingua.
Im Laufe ihrer Schulzeit sind sie – wie auch andere Schüler*innen der Schule – in Kontakt mit den europäischen Nachbarn gekommen:

  • Sie hatten in ihren gewählten Fremdsprachen mindestens einen Auslandskontakt in der Sekundarstufe I.
  • Im Englisch-Leistungskurs waren sie während einer Studienfahrt im englischsprachigen Ausland.
  • In der Jahrgangsstufe 9 haben sie an einem Europaprojekt teilgenommen, meist gemeinsam mit Gleich-altrigen anderer Europaschulen.
  • Vielleicht haben sie in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe ein Auslandsbetriebspraktikum gemacht, waren für einen längeren Zeitraum Gastschüler*innen einer Schule im Ausland oder haben mit Gastschüler*innen in unserer Schule Kurse verbracht.
  • Einige von ihnen haben an Austauschen teilgenommen, zum Beispiel mit einer Schule auf Sizilien.
  • Einige haben bei europäischen Kooperationsprojekten wie zum Beispiel Erasmus+ mitgewirkt und bei uns oder im Ausland mit Gleichaltrigen anderer europäischer Länder zusammengearbeitet.
  • In bestimmten Jahrgangsstufen haben sie an schulischen Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen zu Europawahlen teilgenommen, diese vorbereitet und organisiert oder bei Wahlsimulationen mitgemacht.
  • Viele haben die europäische Hauptstadt Brüssel besucht und sich drei Tage lang von den Institutionen ein eigenes Bild gemacht.
  • Die Europahymne ist im festen Repertoire unserer Schulchöre, die Europaflagge bestimmt das Bild der Schule mit.

Gerade in einer Stadt wie Duisburg mit dem unweit der Schule gelegenen Logistikzentrum „Logport“ wissen wir, wie stark die EU unser Leben bestimmt. Die Schüler*innen schätzen besonders die Freizügigkeit und die offenen Grenzen. Dazu tragen unsere Partnerschulen bei wie das Montessori College in Nijmegen (Niederlande), die Deutsche Schule Istanbul (Türkei), Obchodna akademica in Banska Bystrica (Slowakei), Institut Pius Font i Quer in Manresa (Spanien), Istituto Statale Istruzione Superiore Sciascia-Fermi in Sant‘Agata di Militello (Italien) sowie das Anatolische Gymnasium Izmir (Türkei).
Brexit hin, Cinque Stelle her – Europa bedeutet für uns das friedliche Zusammenleben und den Austausch der Menschen, wofür sich alle Anstrengung lohnt.


Peter Jöckel
Schulleiter der Europaschule Krupp-Gymnasium in Duisburg

Fotos: iStock.com / ViktorCap, gorodenkoff, Valeriy_G

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