Neues Aktionsbündnis: Für gute frühkindliche Bildung

„Wir brauchen viele Hände und Köpfe.“

Endlich rückt die Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in greifbare Nähe! In den Eckpunkten zur Gesetzesnovelle verspricht die NRW-Landesregierung immerhin mehr Geld für die frühkindliche Bildung. Aber mehr Qualität? Fehlanzeige. Das Aktionsbündnis „Mehr Große für die Kleinen“ will das nicht hinnehmen. Katharina Schwabedissen und Thorsten Böning koordinieren die Kampagne und erzählen, warum es sich lohnt mitzumachen.

Neues Aktionsbündnis: Für gute frühkindliche Bildung

nds: „Mehr Große für die Kleinen“ – welche Forderungen stecken im Einzelnen dahinter?

Thorsten Böning: Die bisher bekannten Planungen für das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) stellen nicht in Ansätzen eine reale Qualitätsverbesserung dar. Es fließt mehr Geld ins System – das stimmt. Aber sowohl die Flexibilisierung als auch die Ausweitung der Öffnungszeiten werden dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen in den Kitas sich weiter verschlechtern, wenn es nicht mehr Personal gibt. Wir fordern also mehr pädagogisches Personal in den Gruppen und eine Personalbemessung, die den aktuellen wissenschaftlichen Studien für gute frühkindliche Bildung entspricht. Mit den neuen Öffnungszeiten muss sich der Personalschlüssel ändern – und nicht die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten! Um den Anspruch auf Bildung zu erfüllen, brauchen Kinder und Erzieher*innen kleinere Gruppen: im Ü3-Bereich maximal 20 Kinder, in U3-Gruppen höchstens zehn Kinder und in gemischten Gruppen nicht mehr als 17 Kinder.
Katharina Schwabedissen: Auszubildende sollen zusätzlich in den Gruppen arbeiten und nicht auf den Stellenplan angerechnet werden. Sie befinden sich in der Ausbildung! Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, braucht es eine Ausbildungsoffensive. Dazu gehört auch, dass die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) gefördert und bezahlt wird. Die Kolleg*innen in den Kitas brauchen verbindliche Zeiten für die Vor- und Nachbereitung ihrer Arbeit. Wir wollen freigestellte Leitungen, eine anteilige Freistellung der stellvertretenden Leitungen und ausreichend Hauswirtschaftskräfte in den Kitas.

Wer sind die Bündnispartner? Und wie können sich weitere Partner anschließen?

Thorsten Böning: Momentan arbeiten im Bündnis Mitglieder aus Mitarbeiter*innen-vertretungen (MAV) der beiden großen Kirchen, Betriebsrät*innen von AWO, ver.di, GEW und Berufsverbänden, Personalrät*innen der kommunalen Kitas und Vertreter*innen des Landeselternbeirats mit. Wir werden gerne mehr! Wer mitmachen möchte, ist willkommen und kann sich einfach per E-Mail bei uns melden. Dann überlegen wir gemeinsam, wie die Unterstützung genau aussehen kann. Wir haben uns viel vorgenommen und brauchen viele Hände und Köpfe.

Für den 23. Mai 2019 ruft das Aktionsbündnis zu einer Großdemo in Düsseldorf auf. Wer ist eingeladen, mit auf die Straße zu gehen?

Katharina Schwabedissen: Alle sind eingeladen, die sich für Bildung und Erziehung unserer Jüngsten in NRW interessieren und einsetzen. Unser Ziel ist, zu bekommen, was die Landesregierung verspricht: mehr Qualität in unseren Kitas, Tages- und Bildungseinrichtungen!
Thorsten Böning: Wir mobilisieren gerade vor allem in den Kitas und sprechen mit Eltern und Beschäftigten. Aber eigentlich finden wir, dass frühkindliche Bildung und „Mehr Große für die Kleinen“ Themen für alle sind. Überall wird darüber geredet, wie wichtig die ersten Jahre für die Entwicklung von jungen Menschen sind. Durch Worte allein wird diese Entwicklung aber nicht besser. Offenbar braucht die Landesregierung hier noch eine Nachhilfestunde. Die geben wir gerne gemeinsam mit Tausenden am 23. Mai.

Und wie geht es mit dem Bündnis nach dem Aktionstag im Mai weiter? 

Katharina Schwabedissen: Das hängt davon ab, was die Landesregierung bis dahin anbietet und ob unser Ziel, die Arbeitsbedingungen und die Qualität in unseren Kitas zu verbessern, damit erreicht wird. Wenn nicht, dann ist die Großdemo ein Auftakt. Wir haben erlebt, was die Einführung des KiBiz für unsere Kinder und die Kolleg*innen in den Kitas bedeutet. Der Druck und die Überlastung sind nicht mehr zu (er-)tragen. Wir werden also so lange weitermachen, bis die Landesregierung Qualität nicht nur verspricht, sondern umsetzt und finanziert. Der 23. Mai 2019 ist also unser erstes Etappenziel. Das eigentliche Ziel heißt: Mehr Große für die Kleinen!


Die Fragen stellte Anja Heifel-Rohden.

Foto: iStock.com / vgajic

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