Bildung – Weiter denken!

Bochumer Kongress und Bochumer Memorandum

Allein der Leitsatz des Bochumer Kongresses regt zu Überlegungen und Gedankenspielen an und so diskutierten die über 500 Teilnehmer*innen des Bochumer Kongresses am 3. und 4. März 2017 gemeinsam mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Gewerkschaft aktiv und engagiert die Zukunft der Bildung in NRW. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nahm am ersten Kongresstag das Bochumer Memorandum entgegen, das wichtige Impulse für die Bildungspolitik des Landes gibt.

 

Bochumer Kongress

Für gute Bildung und eine starke Gesellschaft

In rund 40 praxisnahen Foren, in Vorträgen und Politikgesprächen diskutierten Bildungsprofis aus Kita, Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung beim Bochumer Kongress gemeinsam mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Gewerkschaft. Die bevorstehende Landtagswahl bestimmte die Themen.
„Zeit für Veränderungen?“ lautete die Frage im Politikgespräch mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann und Armin Laschet, CDU-Fraktionsvorsitzender NRW, am ersten Tag des Kongresses. Die Forderungen der GEW NRW zur Landtagswahl 2017 überreichte Dorothea Schäfer „zur gründlichen Lektüre“. 17 Themen hat die Bildungsgewerkschaft als konkrete Herausforderungen für die Landesregierung in Sachen Bildung auf den Punkt gebracht, unter anderem Inklusion, Integration, Mitbestimmung und Digitalisierung. Auch Besoldung und Tarif stehen auf der Agenda: Die Fachgruppe Grundschule der GEW NRW überreichte 14.000 Unterschriften, die bislang über die Onlinepetition „Gleiches Gehalt für alle Lehrer*innen“ gesammelt wurden und die Politik unter Handlungsdruck setzen.
Was verbindet Menschen? Was hält eine Gesellschaft zusammen? Begegnung schafft ein Wir-Gefühl – darin waren sich alle Teilnehmer*innen der Podiumsdiskussion am zweiten Kongresstag einig. „Begegnung ist notwendig. Sie beginnt für uns schon in der Kita. Dort begegnen sich nicht nur die Kinder, auch die Begegnung der Eltern untereinander wird früh gefördert“, so Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW. „Der Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhält, ist die Begegnung, das gemeinsame Erleben, und das müssen wir inszenieren“, appellierte Klaus Eberl, Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland. Um das Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen, müsse man jedoch auch auf individuelle Lebenssituationen eine Antwort haben, ergänzte der Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch. Nach Ansicht von Journalistin und Fernsehmoderatorin  Dunja Hayali müsse jede*r aktiv werden: „Wir können nicht immer alles auf die Politik und die Bildung schieben, jeder Mensch ist auch irgendwie selbst dafür verantwortlich. Wir sind Bürger*innen dieses Landes und nicht nur Konsument*innen. Wir tragen alle Verantwortung.“ Sorgen um die Demokratie in Deutschland macht sich Sarah Primus nicht. Ein Selbstläufer sei Demokratie jedoch nicht, meint die Vorsitzende des Landesjugendrings NRW. „Wir brauchen mehr Beteiligung für junge Menschen. Wir müssen auf sie zugehen.“ Demokratieerziehung ist und bleibt eine zentrale Aufgabe von Schulen und allen anderen Bildungseinrichtungen. „Und das ist nicht eine Frage von Ressourcen, sondern eine Frage der Haltung“, betonte Barbara Sendlak-Brandt, Mitglied der GEW NRW, in der späteren Diskussion.

Sherin Krüger
nds-Redaktion

 

Bochumer Memorandum

Impulse für ein modernes Bildungssystem

Immerhin: Die Richtung stimmt, einige Ziele sind noch nicht erreicht. So lautet die Bilanz für die Bildungspolitik in NRW nach rund einem Jahrzehnt Bochumer Memorandum. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nahm das Memorandum beim Bochumer Kongress entgegen.
Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB NRW, unterstrich bei der Übergabe der Denkschrift: „Das Bochumer Memorandum hat erfolgreich bildungs-politische Debatten angestoßen und dazu beigetragen, dass unsere Bildungspolitik eine andere ist als noch vor zwölf Jahren.“ Das wissenschaftliche Gutachten fördert durchaus positive Entwicklungen zutage: einen deutlichen Abbau des Sitzenbleibens, mehr Schulabgänger*innen mit mindestens mittlerem Abschluss, eine höhere gymnasiale Bildungsbeteiligung von Schüler*innen mit Migrationshintergrund, eine gestiegene Studienabschlussquote, der begonnene Umbau in Richtung eines inklusiven Schulsystems sowie mehr Geld für die Weiterbildung.
Dennoch bleibt viel zu tun: Die angestrebte 35-Prozent-Marke in der U3-Betreuung wurde verfehlt, der Anteil der Schulabgänger*innen ohne Abschluss stagniert und die Ausbildungsplatzgarantie wurde trotz erheblicher bildungspolitischer Anstrengungen nicht eingehalten. Vor allem konnte der Zusammenhang zwischen Bildungsbenachteiligung und sozialer Herkunft nicht gelockert werden. Dorothea Schäfer, Vorsitzende der GEW NRW, forderte: „Wir brauchen endlich wirksame Konzepte, die geeignet sind, die Qualität unserer Bildungseinrichtungen nachhaltig zu steigern. Dafür sind mehr Personal und ausreichend Ressourcen erforderlich. Gleichzeitig müssen Bildungseinrichtungen mit schwierigen sozialen Rahmenbedingungen besonders unterstützt werden. Denn gute Bildung und Chancengleichheit bleiben der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft von Kindern und Jugendlichen.“
Mit dem Bochumer Memorandum hat die Bildungsgewerkschaft GEW NRW vor gut zwölf Jahren eine Debatte über bessere Bildung in NRW angestoßen. Mit Hilfe von zehn Indikatoren wurden überprüfbare Leistungsziele definiert, um messbare Fortschritte im Bildungssystem des bevölkerungsreichsten Bundeslandes zu ermitteln.

Berthold Paschert
Pressesprecher der GEW NRW

Foto: gettyimages .de / Fotolia.de / amg

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