Mit Vielfalt umgehen – didacta 2016

Europas größte Bildungsmesse: didacta 2016

Vom 16. bis zum 20. Februar 2016 war die didacta in Köln Anziehungspunkt für alle, deren Job Bildung ist. Rund 100.000 Besucher*innen aus allen Bildungsbereichen informierten sich bei 821 Aussteller*innen über aktuelle Trends und Entwicklungen. Mit einem eigenen Stand war auch die GEW auf Europas größter Bildungsmesse vertreten. Ein gut eingespieltes Team aus haupt- und ehrenamtlichen Kolleg*innen stand jederzeit für individuelle Beratung bereit.

Mit Vielfalt umgehen – didacta 2016
Mit Vielfalt umgehen

Zuwanderung ist aktuell das Nummer-eins-Thema, auch in Schule, denn Bildung spielt bei der Integration eine Schlüsselrolle. Miriam Remy, Trainerin für Migrationspädagogik, und Manfred Diekenbrock, der LehrerInnenfortbildungen zur Unterstützung des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ entwickelt, machen Diversity auch am GEW-Stand auf der didacta zum Thema. Das Interesse an den Kurzworkshops ist auch mitten im Messetrubel groß.    

„Machen Sie auch etwas für Grundschulen?“, wollen zwei Lehrerinnen wissen. Wir sitzen zu viert auf kleinen Hockern, umgeben von den Messegeräuschen. Geschäftigkeit überall. „In unserer Grundschule sind Roma-Kinder aus einer nahe gelegenen Siedlung. Dort leben Familien aus Südosteuropa mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Wir haben das Gefühl, dass diese Familien von einigen Eltern anderer Kinder nicht akzeptiert werden. Was können wir tun?“ Wir erfahren, dass die Schule gut mit einer örtlichen Vereinigung der Roma zusammenarbeitet. Doch wie kann man die Elternarbeit intensivieren und auch in den Klassen spielerisch die Gemeinschaft fördern? Wir schlagen einen schulinternen Workshop vor, in dem der Stand der Arbeit besprochen wird und neue Ideen auf den Weg gebracht werden. Neben einer Referentin, die spielerische Zugänge für den Alltag zeigen kann, soll eine Expertin von Rom e. V. über die Arbeit mit Zugewanderten informieren, die sich als Roma aus „sicheren Herkunftsländern“ in einer sozial und politisch besonders prekären Lage befinden.

Rita Calvo arbeitet an einer im Aufbau befindlichen Gesamtschule. In ihrem Alltag sind soziale und kulturelle Vielfalt Normalität. Viele Kinder wachsen zweisprachig auf. Sie findet, dass es den Zusammenhalt in ihrer Schule stärken würde, wenn sie eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wäre und die Angebote des Netzwerks nutzen könnte. „Doch wie kommen wir dahin? Es muss doch alles von den SchülerInnen ausgehen, oder?“ „Das stimmt. Aber LehrerInnen können dabei unterstützend mitwirken“, erklären wir. „Eine wichtige Rolle spielen hier die SchülervertretungslehrerInnen.“ Wir versprechen, dass die Schule in der nächsten Woche ein dickes Materialpaket erhält, und bieten an, die Schule zu besuchen. Gemeinsam mit dem Kollegium wollen wir darüber sprechen, wie das Anliegen einer Schule, die Vielfalt wertschätzt und für Inklusion im weitesten Sinne einstehen möchte, im Schulprogramm verankert und im Alltag gelebt werden kann.

Zwischen unseren stündlichen Workshops kommen wir mit BesucherInnen des GEW-Standes ins Gespräch und fragen nach, wie es in ihrer Schule um den Umgang mit Diversity bestellt ist. Eine Gruppe von Lehramtsanwärterinnen fühlt sich vom Studium schon recht gut informiert. „Aber das ist alles Theorie. Jetzt sind wir gespannt, wie es denn in den Klassen aussieht.“ Wir sehen, dass sie sich darauf freuen. Soziale und kulturelle Vielfalt in unseren Schulen macht ihnen keine Angst. Sie sei doch selbst als Kind einer „Gastarbeiterfamilie in der dritten Generation“ zweisprachig aufgewachsen, meint eine junge Kollegin, die bald als Deutschlehrerin an einem Gymnasium arbeiten wird. 

Manfred Diekenbrock
Wissenschaftlicher Mitarbeiter des DGB Bildungswerks NRW e. V.

Fotos: B. Butzke

0 Comments
Kommentieren
Die mit (*) gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare (0)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Lassen Sie es uns wissen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
24
Ihre Meinung? Jetzt kommentieren