Digitale Schule: Mut zum Aufbruch!

Die Schulen in NRW und das deutsche Bildungssystem müssen sich verändern, um die jungen Generationen auf die Herausforderungen und die Geschwindigkeit einer digitalen Zukunft vorzubereiten. Auch Lehrkräfte und Schüler*innen wollen keinen Stillstand: Sie wollen ihr Klassenzimmer und ihre gesamte Bildungsumgebung weiterentwickeln und ihre individuellen Potenziale entfalten.

Lehrkräfte „mitnehmen wollen“ reicht nicht

Das gesellschaftliche Veränderungsbewusstsein ist groß: Die Digitalisierung verändert unsere Lebens-, Arbeits- und Bildungswelten und wir können diese Veränderungen gestalten. Um dieses Bewusstsein jedoch in tatkräftigen Gestaltungswillen zu verwandeln, braucht es mehr als die Absichtserklärung, die Beteiligten mitzunehmen. Die digitale Transformation der Schulen kann nur durch lokale Initiativen gelingen und nicht von Bund und Land verordnet werden. Den Schulen vor Ort müssen vielmehr positive Rahmenbedingungen geboten werden, um ihre Eigeninitiative gestaltend einzusetzen und eigene Projekte zu initiieren. Dafür brauchen sie eine sichere wie komfortable IT-Infrastruktur ebenso wie die Verschlankung aufgeblähter Lernpläne, die Lehrkräften wie Schüler*innen wieder Luft verschafft, um spielerisch und experimentierend digitale Medien und neue Möglichkeiten zu erforschen. LOGINEO NRW ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn die Arbeitsplattform konsequent auf- und ausgebaut wird. Und wer mit digital unterstützten Lernkonzepten experimentieren möchte, findet auf YouTube zahlreiche Gelingensgeschichten aus der schulischen Praxis.
Digitalisierung in Schule passiert im Kontext komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen: Alltäglich bewältigen die Verantwortlichen die Herausforderung von Inklusion und Migration unter den Bedingungen eines zunehmenden Lehrkräftemangels und des demografischen Wandels. Vielen Kommunen fehlt das Geld. Zudem ringt die Institution Schule mit sich selbst innerhalb eines äußeren wie inneren Kulturwandels. Die Anforderungen an Lehrkräfte und Schüler*innen sind heute bereits verändert, Bildung wird zunehmend orts- und zeitunabhängig und virtuell. Das Informationsmonopol verschiebt sich dabei vom Schulbuch hin zum Smartphone in der Hosentasche. Informationen sind jederzeit verfügbar – umso wichtiger wird die Kompetenz der Bewertung und Kontextualisierung. Darin besteht die primäre Digitalisierungskompetenz und erst sekundär im Umgang mit digitalen Medien.
Ein Freund und Lehrer sagte mir vor Kurzem, er und seine Kolleg*innen fühlten sich angesichts veränderter und steigender Anforderungen häufig überfordert und das vor allem aufgrund geringer Flexibilität, mangelnder Ressourcen und unzureichenden Beteiligungsmöglichkeiten: „Hier bei uns ändert sich nichts. Jetzt habe ich dafür keine Zeit. Ich kann nichts bewegen.“  

Hier, jetzt, ich: Aufbruch!

Bund, Land und Kommunen sind gemeinsamen mit den Schulen gefordert, eine Aufbruchstimmung für die Reise hin zur digitalen Schule zu erzeugen. Und dieser Stimmungswandel lässt sich nur unter der Bedingung von mehr Beteiligung, Mitbestimmung und der Förderung lokaler Initiativen erreichen. Die Personalräte können die Beschäftigten unterstützen, indem sie den Kulturwandel vor Ort thematisieren und zusammen mit den Beschäftigten diskutieren: Wie wollen wir unsere digitale Schule haben, in der wir gerne und erfolgreich unterrichten? Welche Gestaltungsspielräume können wir heute schon nutzen? Welche Forderungen – etwa digitale Arbeitsmittel, Fort- und Weiterbildungsbedarfe – stellen wir an eine zukunftsfähige Bildungspolitik? Eine Schlüsselrolle kann der Personalrat dabei einnehmen, interkommunalen oder auch länderübergreifenden Erfahrungsaustausch zu organisieren. Es gibt viele gute Beispiele, die trotz schwieriger Bedingungen Wege der Umsetzung aufzeigen, inspirieren und Lust zum Mitmachen wecken. Wieder lohnt hier der Blick ins Netz, zum Beispiel auf www.schule-im-aufbruch.de.

Max Thomsen
Berater der Technologieberatungsstelle beim DGB NRW e. V., Regionalstelle Düsseldorf

Foto: seraph / photocase.de

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